Erfahrungsbericht sexueller Missbrauch: Ich bin nicht der Missbrauch!

ich wurde sexuell misshandelt

Beate Kriechel wurde als Kind sexuell missbraucht. Sie sagt: “Noch immer gibt es das Gefühl, welches ich als Kind vornehmlich erfahren habe: Es interessiert niemanden.“

Heute ist sie 47 Jahre alt, hat einen erwachsenen Sohn und lebt mit vielen Büchern und Pflanzen im Kölner Süden. Sie liebt die Natur und das Reisen, studiert am liebsten die Café-Kultur und träumt von einem Besuch in Wien, der Mutter-Stadt der schönen, alten Cafés. 

Beate Kriechel hat ein über ihre Erfahrungen geschrieben, indem viele Betroffene zu Wort kommen. Ich habe dieses Buch an einem Wochenende gelesen, weil ich als Nicht-Betroffene Berührungsängste hatte. Sexueller Missbrauch ist kein Thema, über das man spricht. Und sexueller Missbrauch scheint irgendwie auch „weit weg“. Dabei, das hat auch Beate in ihren Recherchen festgestellt, ist es ein Problem inmitten der Gesellschaft. Ich danke Beate für die Offenheit und glaube fest daran, dass sowohl ihr heutiger Gastbeitrag als auch ihr Buch Betroffenen hilft und sie ermutigt …

Erfahrungsbericht missbrauch

Ich wurde als Kind sexuell missbraucht

Ich wurde als Kind sexuell missbraucht. Bis heute fällt es mir nicht leicht, diesen Satz auszusprechen oder aufzuschreiben, obwohl ich Anfang Juni das Buch „ Leben nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit“ unter meinem vollen Namen veröffentlicht habe und mich darin als Betroffene „oute“. Noch immer gibt es – neben dem Schmerz darüber, dass ich das erleben musste – das Gefühl, welches ich als Kind vornehmlich erfahren habe: „Es interessiert niemanden.“

Aber auch bleibt die Angst vor der Festlegung als ausschließliches Missbrauchs-Opfer, als ein Mensch, der ein Leben lang leidet, der nie ein normales Leben führen kann und auf Grund seiner – meiner – Geschichte womöglich nicht ernst genommen wird. Für mein Buch habe ich acht andere von sexuellem Missbrauch Betroffene zu ihren Bewältigungsstrategien interviewt. Eine von Ihnen drückte es in unserem Gespräch so aus: „Missbrauch ist kein Partythema. Du kannst zwar unter Umständen erzählen, dass dein Vater oder deine Mutter Alkoholiker waren oder psychisch krank sind, aber niemals, dass du als Kind sexuelle Gewalt erlebt hast. Das überfordert alle und die Gefahr ist sehr groß, dass danach nur Schweigen herrscht und du sofort in die Opfer-Schublade einsortiert wirst.“

Sexueller Missbrauch ist ein weit verbreitetes Problem. Er findet überall, zu jeder Zeit, in allen gesellschaftlichen Schichten statt. Die WHO* geht davon aus, dass 9 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Europa von sexuellem Missbrauch mit und ohne Körperkontakt betroffen sind. Das sind allein in Deutschland über 1 Millionen Kinder und Jugendliche. Im Durchschnitt sitzen in jeder Schulklasse 2-3 Betroffene**. Jedes Jahr kommen neue hinzu und all diese Kinder werden erwachsen. Wir alle kennen ganz bestimmt einen Menschen, der von Missbrauch betroffen ist, auch wenn wir es nicht immer von ihnen wissen. Viele Taten werden nicht gesehen und Betroffene bei der Bewältigung ihres Missbrauchs bisher meist allein gelassen. Wir müssen hinsehen und darüber ins Gespräch kommen, wenn sich daran etwas ändern soll.

Der Missbrauch passierte zwischen Alltäglichkeiten

Ich war etwa sieben, acht Jahre alt, als der Missbrauch durch den damaligen Freund meiner Mutter und dessen damals etwa 17-jährigen Sohn begann. Mein Alter habe ich mir später anhand von Ereignissen rekonstruiert – ein gemeinsam gefeiertes Weihnachtsfest bei dem „Boney M“ in einer Fernsehshow sang, Karnevalskostüm basteln in der Schule, die Kommunion meines Bruders, Ausflüge, Ferien. Als ich angefangen habe, mich mit dem Missbrauch auseinander zu setzen, hat mir die zeitliche und räumliche Einordnung sehr geholfen. Obwohl ich immer Erinnerungen an den Missbrauch hatte, hat es mir Orientierung gegeben und war für mich eine Art zusätzliche Rückversicherung, dass die Situationen so zu der Zeit und genau dort tatsächlich stattgefunden haben. Bis heute habe ich ein sehr gutes Gedächtnis für Räume, Einrichtungen, Menschen, allgemeine Informationen. Lange war es mir sehr wichtig, Ereignisse – nicht nur von damals – präzise wiederzugeben und benennen zu können. Abweichungen haben mir früher regelrecht körperlich weh getan und mich in innere Bedrängnis gebracht. Heute weiß ich, dass nicht zuletzt meine Glaubwürdigkeit davon abhing.

Im Nachhinein erschreckt mich die Banalität, das Nebenher der Missbrauchssituationen. Der Missbrauch passierte zwischen Alltäglichkeiten. Vor der Schule, nach der Schule, abends, nachts, im Schlaf- und Kinderzimmer, im Bad oder eben auch bei einem Versteckspiel im Wald, wo mich der Freund meiner Mutter an die Hand nahm und mit mir verschwand, da ich ja noch zu klein wäre, um mich allein zu verstecken. Es konnte immer und jederzeit passieren. Immer dann, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab, weil ich allein mit ihnen war, alle anderen vermeintlich schon schliefen oder durch Fernsehen abgelenkt waren. In den Medien wird oft „nur“ über die besonders spektakulären, sehr brutalen Fälle berichtet. Aber Missbrauch ist meist alltäglicher, als wir wahrhaben wollen. Es kann sehr erschreckend und schmerzhaft sein, sich damit auseinander setzen zu müssen, dass wahrscheinlich auch in unserer Nachbarschaft TäterInnen leben.

Ich habe beim Missbrauch keine Gewalt im klassischen Sinne erfahren. Es gibt Stimmen, die sagen, dass alles, was an sexuellen Handlungen mit und an Kindern verübt wird, eine Form der Gewalt ist. Ich folge dieser Auffassung. Auch, wenn ich weiß, wie sich tatsächliche körperliche Gewalt noch anfühlt. Wie soll ich das, was beim Missbrauch passierte, sonst bezeichnen und es als das sehen was es ist? Es ist eine völlige Überforderung, eine Überwältigung eben. Ich habe lange nach einem Bild gesucht, das auch nur annähernd begreifbar machen kann, wie es sich für mich als Kind angefühlt hat, dem Missbrauch ausgesetzt gewesen zu sein. Vor ein paar Jahren habe ich eine fiktive Kurzgeschichte über eine Frau gelesen, die bei einer Gruppenreise in ein bis dahin touristisch noch nicht sehr erschlossenes Land verloren ging. Wegen einer Fehlbelegung wurde sie als einzige aus der Gruppe in einer anderen Unterkunft in einem weiter entfernten Nachbardorf untergebracht und am nächsten Morgen dort vergessen. Nachdem auch am Nachmittag und in den nächsten Tagen niemand kam, um sie zu holen, war sie von nun an in einem fremden Land, ohne Ausweispapiere, ohne die Sprache zu verstehen oder zu sprechen und sich verständlich machen zu können – völlig auf sich allein gestellt.

So in etwa war das für mich als Kind. Ich kannte mich einfach nicht aus und wusste nicht, was da vor sich ging oder mit mir passierte. Ich hatte keinen Bezugsrahmen, keine Orientierung, keine Sprache dafür und konnte mich an niemanden wenden. Ich wusste aber, dass das nicht in Ordnung war, was die beiden mit mir machten. Natürlich ist das alles sehr verkürzt dargestellt und der Vergleich mit der Touristin hinkt. Erwachsene verfügen über weit mehr Wissen und Fähigkeiten als Kinder. Sie haben praktische Lebenserfahrung, können wenigstens versuchen, ihre Situation zu reflektieren oder schauen, wo sie trotzdem Hilfe bekommen. All das konnte ich als Kind während der Monate, in denen der Missbrauch stattfand und noch lange Jahre danach, nicht. In den Missbrauchssituationen selbst rettete ich mich meist dadurch, dass ich erstarrte, mich „weg machte“. Da und doch nicht da. Dissoziation nennt man das in der Fachsprache.

TäterInnen gehen bei ihren Taten meist sehr strategisch und sorgfältig vor. Sie suchen sich ihre Opfer gezielt aus, entwickeln einen Blick dafür, ob sie in irgendeinem Sinne bedürftig sind oder aus einem vernachlässigendem Umfeld kommen, erschleichen sich das Vertrauen der Kinder und der sie umgebenen Erwachsenen, manipulieren  und versuchen ihre Opfer mit Drohungen zum Schweigen zu bringen, damit ihre Taten unentdeckt bleiben. Mir sagte der Freund meiner Mutter: „Wenn du das irgendjemandem erzählst, dann wird deine Mutter sehr traurig und krank. Dann stirbt sie und du und dein Bruder kommen ins Heim.“

Erfahrungsbericht missbrauch

Den Opfern wird die Schuld gegeben

Mit dem Wissen von heute hätte irgendjemand vielleicht etwas bemerkt, bemerken können. Nicht jeder Missbrauch hinterlässt auffällige körperliche Verletzungen. Oft erkennt man ihn daran, dass Kinder sich plötzlich stark verändern oder sich zurückziehen. Ich war danach nicht mehr das neugierige, offene, mit fliegenden Zöpfen fröhlich durchs Dorf hüpfende Mädchen, das andere einfach ansprach und ihnen Löcher in den Bauch fragte. Ich wurde in der Schule schlechter, habe zeitweise wieder angefangen ins Bett zu machen, knabberte meine Fingernägel bis auf die Haut blutig, aß Unmengen von Süßigkeiten und Chips und wurde dick. Regelmäßige Untersuchungen beim Kinderarzt gab es damals so noch nicht und auch nicht den sensiblen Blick für mögliche Übergriffe, den wir heute erst anfangen zu entwickeln. Auch galt das, was Zuhause vor sich ging lange als Privatsache oder den Opfern wurde – und wird meist bis heute – nicht geglaubt oder schlimmer noch die Schuld gegeben.

„Die hat den doch verführt“

Ich erinnere mich an Situationen, wo meine Mutter sich mit anderen Frauen aus dem Ort über „solche“ bekannt gewordenen Fälle unterhielt. Vor allem das Gespräch über ein damals etwa 12-jähriges Mädchen, dass von ihrem Vater missbraucht worden sein sollte und die beiden Sätze „ach was, das glaube ich nicht“ und „die hat den doch verführt“ sind mir sehr in Erinnerung geblieben. Das hat bei mir natürlich erst recht dazu geführt, dass ich geschwiegen und mich nicht getraut habe, mich jemandem anzuvertrauen.

Heute hält auch die Angst vor Fehleinschätzungen oder Falschbeschuldigungen viele Menschen davon ab, bei einem Verdacht auf Missbrauch aktiv zu werden. Natürlich ist das ein ernst zu nehmendes Problem. Aber ebenso ist es ernst zu nehmen, dass der Missbrauch sich weiter fortsetzt und Kinder in ihrer Not allein bleiben, wenn wir Erwachsene nicht hinschauen, Verdachtsmomente oder gar Äußerungen von Kindern und Jugendlichen ignorieren und nicht eingreifen. Heute wird niemandem mehr geraten auf eigene Faust aktiv zu werden oder voreilig Verdächtigungen anzusprechen. Zunächst ist es vor allem wichtig, überlegt, mit Ruhe und Vorsicht zu reagieren und auf jeden Fall professionelle Rücksprache und Beratung in Anspruch nehmen. Beim „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ des „Hilfeportal Sexueller Missbrauch“ kann man sich anonym und kostenfrei beraten lassen. Hier findet man außerdem umfangreiche Informationen, Beratungsstellen und Notfalldienste. Ein unüberlegtes Eingreifen, ein zu frühes Ansprechen bei den Eltern, eine Anzeige bei der Polizei, ohne Einverständnis und ausreichenden Schutz des Opfers, kann eine Intervention und auch spätere rechtliche Schritte unmöglich machen.

„Ich lass mich nicht klein kriegen“

Ich habe relativ früh angefangen, mich mit meinem Missbrauch auseinanderzusetzen. Mit 14, 15 Jahren, registrierte ich die Berichte über sexuellen Missbrauch in den Medien erstmals bewusst. Zunächst reagierte ich hier auch mit Erstarrung und der Angst „ertappt“ zu werden. Bis dahin hatte ich einfach nicht mehr an meinen Missbrauch gedacht. Aber von da an, ließen sich die Erinnerungen und all die damit verbundenen Gefühle nicht mehr wegschieben. Für mich begann damit ein langer Verarbeitungsprozess. All die ganzen Fernseh-Berichte, Zeitungsartikel, Bücher, Diskussionen und Bemerkungen, die ich in den folgenden Jahren dazu sah, las und mitbekam, haben mich dabei zunächst nicht sehr ermutigt. Sie alle liefen für mich darauf hinaus, dass man für immer „beschädigt, kaputt“ ist, wenn man Missbrauch erlebt hat und nie ein normales Leben führen kann. Daneben gab es aber zum Glück auch eine Art gesunden Protest, Widerstand, Gefühle von Wut und Gedanken wie „ich lass mich nicht klein kriegen“. Ich sah es einfach nicht ein, diesem Opfer-Muster zu folgen und meinen Missbrauchern damit letztlich das Feld zu überlassen und ihnen zu erlauben, mit ihren Taten über mein Leben zu bestimmen.

Zu meiner Auseinandersetzung mit dem Missbrauch  gehörten neben den vielen gelesenen Büchern unzählige Gespräche mit Betroffenen und Nicht-Betroffenen, Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe des Kölner Vereins „Zartbitter“ und Therapien. Dazwischen gab es lange Phasen der nicht-aktiven Auseinandersetzung und ich habe einfach nur gelebt. Ich habe gearbeitet, habe einen Sohn bekommen und als alleinerziehende Mutter großgezogen, in Beziehungen gelebt, Freundschaften geschlossen und wenn es sein musste wieder gelöst, bin viel gereist, habe immer gerne viel gelacht. Irgendwann konnte ich dem Leben wieder unbefangener, neugierig mit offenen Augen begegnen.

beate Kriechel

Ich bin nicht der Missbrauch

Heute weiß ich – auch als Missbrauchsbetroffene kann ich ein gelingendes Leben führen, Freude empfinden und Spaß haben. Wie man mit Missbrauchserfahrungen und den Folgen lebt und zurechtkommt, sagt überhaupt nichts darüber aus, wie schlimm es gewesen ist. Es sagt allenfalls etwas über die erfahrene Unterstützung, die Anerkennung des erfahrenen Leids, über die eigenen (erworbenen) Stärken und Überlebensstrategien aus. Die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Prozessen ist für mich bis heute: Ich musste den Missbrauch erleben, er wurde mir angetan. Er ist und bleibt ein Teil von mir und es wird sicherlich immer Momente, Tage und Gefühle geben, die schwierig sind. Aber daneben gibt es noch ganz viel anderes, das mich ausmacht. Ich bin nicht der Missbrauch.

All das wusste ich natürlich nicht über Nacht und aus meinen Gesprächen mit anderen Betroffenen wusste ich auch, dass es viele mögliche Wege der Auseinandersetzung gibt und, dass es einem tatsächlich gelingen kann, Missbrauch zu verarbeiten. Auch, wenn jede und jeder für sich entscheidet, was gelingen überhaupt bedeutet.  Ich hatte schon vor Jahren die Idee, dazu ein Buch dazu zu schreiben und andere Betroffene zu Wort kommen zu lassen. Als ich Anfang letzten Jahres von zwei Missbrauchsfällen an zwei Mädchen aus meinem entfernteren Bekanntenkreis hörte, hat mich das – nach dem ersten Schock – noch mal sehr nachhaltig berührt.

Ich musste an den langen Weg denken, den man bei der aktiven Verarbeitung oft geht. Und an all die widersprüchlichen Gefühle von Angst, Scham, Wut, Schuld, Trauer, Ohnmacht, Stolz, Triumph, Einsamkeit … Diese beiden Mädchen waren der Anlass, das Buch endlich anzugehen. Die beiden stehen noch ganz am Anfang ihres Verarbeitungsprozesses. Ihnen – und anderen Betroffenen – möchte ich aufzeigen, dass es ein Licht am Ende des Tunnels geben kann. Ich weiß, dass es ihnen phasenweise überhaupt nicht gut geht und sie mit vielen Dingen zu kämpfen haben. Ich wünsche ihnen zunächst natürlich, dass sie weiterhin adäquate Hilfe und Unterstützung bekommen und dass ihr Umfeld nicht wegsieht oder womöglich verharmlost, was sie erfahren mussten. Und ich wünsche ihnen auch, dass sie sich selbst nicht ausschließlich als Opfer sehen oder schlimmer noch als solche von anderen gesehen und damit womöglich auch nicht mehr ernst genommen werden. Sie sind Opfer dieser Straftat, aber auch sie sind nicht ausschließlich der Missbrauch. Missbrauch ist keine Eigenschaft und er charakterisiert einen nicht.

 

Du brauchst Hilfe?

Wenn du ein Kind oder Jugendliche(r) bist,

kannst du unter dieser kostenlosen Nummer mit jemandem anonym sprechen:

0800 22 55 530

Wenn du lieber eine E-Mail schicken möchtest, kannst du sie an

beratung@save-me-online.de

senden.

Auch bei der Nummer gegen Kummer kann dir

anonym geholfen werden: 0800 111 0 333

Betroffene, Angehörige, Nachbarn, Lehrer oder Erzieher,

die einen Verdacht auf Missbrauch haben, können sich an

www.Hilfeportal-missbrauch.de wenden;

Telefon: 0800-22 55 530 (kostenfrei & anonym)

Beate Kriechel buch

“Für immer traumatisiert?” von Beate Kriechel aus dem Mabuse Verlag.

 


Quellenangaben: 

*WHO, Gewalt- und Verletzungsprävention, WHO-Regionalbüro für Europa, 2013 

** Expertise Häufigkeitsangaben“ des Bundesamtes „Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs“, Hintergrundmaterialien

sexueller missbrauch erfahrung

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28 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Was für eine starke Frau du bist, Beate. Dir alles Liebe. Rena

    Antworten
  • Vera Wehnes
    11. Juli 2019 13:03

    Ich finde es sehr gut, dass das Thema hier aufgegriffen wird. Man weiß zu wenig darüber, ich empfinde es auch als absolutes Tabuthema rein gesellschaftlich. Danke für den berührenden Beitrag.

    Antworten
  • Mir fehlen die Worte! Danke für diese offenen Zeilen. Ich wünsche dir alles Gute liebe Beate und hör nicht auf, dieses gesellschaftliche Tabuthema den Negieren aufzuzeigen. Danke dafür!

    Antworten
  • Danke an Beate für die Offenheit zum Thema. Ich bin selbst nicht betroffen, habe aber eine Freundin die es betrifft und bin/war auch immer unsicher wie ich das Thema mit ihr richtig bespreche. Mich würde interessieren Beate ob deine „Missbraucher“ von deinem Buch wissen? Ich finde es nämlich den richtigen Schritt das du unter deinem echten Namen geschrieben hast!! Alles Gute für dich, N.

    Antworten
    • Liebe N., danke dor für deine Zeilen und Wünsche. Nein, ich denke nicht, dass sie es wissen – wenn sie nicht “zufällig” darüber stolpern. Es gibt seit damals keinen Kontakt mehr zu ihnen. Gruß, Beate

      Antworten
  • Natascha R.
    11. Juli 2019 22:18

    Liebe Leonie, liebe Beate, ich habe mich anfangs nicht getraut, den Artikel zu lesen. Ich habe zwei kleine Töchter und meine Sorge ist groß. Dann aber habe ich mich durchgerungen und bereue nicht , dass ich diesen Beitrag gelesen habe. Beate, man liest zwischen den Zeilen, dass du einen guten Weg für dich gefunden hast. Das erleichtert mich. Ich bemerke in meinem Umfeld, dass die Sorge bei Eltern, ihr Kind könne Opfer von sexuellem Missbrauch werden, groß ist. Ich ziehe für mich aus deinem Erfahrungsbericht dass wir alle mit offenen Augen durchs Leben gehen sollten und wenn uns etwas auffällt, die richtigen Stellen informieren. Auch habe ich Bewunderung für dich, bei der ich nicht weiß, ob du dies wollen würdest. Ich bewundere wirklich, dass du den Schritt gewagt hast, darüber zu schreiben. Ich glaube übrigens, dass deine Geschichte und das Thema viele interessiert !! Man (wir) weiß nur zu wenig darüber.

    Antworten
    • Liebe Natascha, deine Angst verstehe ich natürlich. Kenne ich auch von meinem Sohn, als er jünger war. Ja, mit offenen, aufmerksan Augen ist gut. Aber natürlich sollte das jetzt auch nicht dazu führen, dass wir alle übervorsichtig oder grundsätzlich misstrauisch sind – aber so hast du es wahrscheinlich auch nicht gemeint. Und danke fürs “bewundern“ – ich weiß schon was du meinst und es ist völlig okay für mich auch Anerkennung für meinen langen Weg anzunehmen😄. Und das darüber Schreiben ist mir eben gerade auch wichtig, weil ich einerseits weiß, wovon die Rede ist, also wertvolles “Insider-Wissen“ habe. Und andererseits weil ich es eben sehr wichtig finde Berührungsängste abzubauen und darüber ins Gespräch zu kommen. Das gefühlte und tasächliche Alleinsein damit in meiner Kindheit, haben fast alle Interviewten so bestätigt und als zusätzliche Belastung/Traumatisierung geschildert. Und hier ist es wichtig Wissen zu vermitteln, damit Kinder und Jugendliche heutzutage so schnell wie möglich opfergerechte Unterstützung bekommen.
      Liebe Grüße!

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  • Vielen Dank für die Offenenheit bei einem solch empfindlichen Thema. Ich würde mich gerne mit dir privat austauschen, wäre das möglich? Du würdest mir sehr weiterhelfen damit.

    Antworten
  • Ich habe sexuellen Missbrauch und die Folgen in der Nachbarschaft erlebt. Nach außen eine intakte Familie mit 4 Kindern: 3 Jungen und einem Mädchen, der Vater Beamter im höheren Dienst. Als die Mutter den Missbrauch an den drei Jungen bemerkte, kam es zu einer Kurzschlussreaktion: erweiterter Suizid mit den 3 Jungen in der Garage. Überlebt hat das Mädchen, das in der Schule war und in eine Pflegefamilie kam. Der Vater war danach psychisch schwer erkrankt, wurde von einer Angehörigen betreut. Man kann nur appellieren, dass Pädophile, sich freiwillig in psychotherapeutischen Selbsthilfegruppen betreuen lassen, keine Ehe oder Partnerschaft mit Kinderwunsch eingehen, um zu verhindern, Täter zu werden.

    Antworten
  • Hallo Beate,
    Ich bin auch betroffene. Ich habe eine Selbsthilfegruppe gegründet ,da es bei mir noch keine gab. Ich finde es toll das einige so gut darüber schreiben. Ich kann es nicht. Trotz meiner Therapien habe ich von deinem Blog und Seite noch wieder gute Ansichten mit nehmen können .Vielen vielen dank dafür.
    Alles gute für dich und schöne Weihnachten und einen guten Rutsch.

    Antworten
    • Liebe Chtisdi, ich lese deinen Kommentar jetzt erst – dir auch noch alles Gute für das neue Jahr! Und danke für deine Zeilen – freut mich, dass du noch was mitnehmen konntest.
      Dass du eine Selbsthilfegruppe gegründet hast, finde ich wiederum toll und ich weiß nicht, ob ich das könnte. Ich war mit Anfang 20 selbst in einer Gruppe in Köln – sie war ein wichtiger Baustein in meinem Bewältigungsweg. Von daher – deine Arbeit ist genauso wichtig!
      Liebe Grüße, Beate

      Antworten
  • Tatjana Tabbert
    19. Januar 2020 21:56

    Ich bin selbst Opfer und stehe gerade ganz an Anfang !Mich frisst es von innen auf,Ich kann das alles noch nicht wirklich glauben geschweige fassen…Zur Zeit bricht meine Welt zusammen.
    Es kommen immer wieder vereinzelte Bilder Gefühle in mir hoch, oft von selbsverletzung und Hass, hass gegen mich selber!
    Wurde gottseidank letztes Jahr von der Polizei gefunden worden, hatte versucht mir das Leben zu nehmen!
    Soviel Mut und Kraft hätte ich auch gerne wie du Beate!!
    Lg

    Antworten
    • Liebe Tatjana, danke für deine bewegenden Zeilen!💚
      Bei mir ging das auch nicht von heute auf morgen, auch ich habe einen langen Weg hinter mir. Und immer noch gibt es Tage, an denen es mich wieder besonders einholt. Dennoch – mit therapeutischer Unterstützung habe ich einen Weg gefunden und kann heute sagen, dass es sich gelohnt hat, da durchzugehen. Eas wäre die Alternative? Ich hoffe für dich, dass du auch deinen Weg findest. Und hoffentlich ebenfalls mit Menschen, die dich unterstützen und begleiten. Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute! Liebe Grüße, Beate

      Antworten
  • Liebe Beate, ich bin Thilly und 51 Jahre. Ja, wie soll ich anfangen. Ich habe mich nie mit dem Erlebten auseinandergesetzt und konnte das immer sehr gut deckeln. Doch je älter ich wurde, um so öfter hat sich der Deckel gehoben- besonders, wenn ich Stress hatte, sei es beruflich oder privat. Ich möchte jetzt auch gar nicht so ausschweifen. Jedenfalls bin ich auf deinen Artikel gestoßen und kann mich mit diesen sehr gut identifizieren. Ich bin eher der Typ, der das ohne Therapie in den Griff bekommen möchte und hoffe, das ich einen Weg finde, diese Momente, Tage zu bewältigen. Den ersten großen Schritt habe ich geschafft. Ich habe es nach 10 Jahren Partnerchaft, meinem Mann gesagt. Nun bin ich auf der Suche, wo ich mich mit Betroffenen austauschen kann. Vielleicht hast du ja einen Tipp für mich. Liebe Grüße Thilly

    Antworten
  • Ana Paula Finger
    16. Februar 2020 15:00

    Liebe Beate, bin gerade auf deinen Artikel gestoßen.
    Auch ich bin als 12 jährige von meinem Vater missbraucht worden, meine Mutter hatte was geahnt und nichts gemacht. Habe das erlebte so blockiert gehabt das ich noch nicht mal mehr wusste wie ich früher ausgesehen habe da in meinem Gehirn etliche blockaden sind. Einige Suizid versuche hinter mir, 2017 war ich in einer Trauma Klinik gewesen und da sind alle Sachen hochgekommen , konnte keine Nähe mehr
    von meinem Mann zulassen.2018 hat sich mein Mann von mir getrennt weil er es nicht mehr geschafft hat mich weiter zu begleiten durch mein Trauma und meine Depressionen. Am 14.2.2020 wurde ich geschieden, heute bin ich 50 Jahre alt und wenn ich nicht meine drei tollen Kinder hätte wüsste ich nicht wofür ich leben sollte. Liebe Grüße Ana Paula Finger

    Antworten
  • Anita Bernst
    1. Juni 2020 13:09

    Ich bin als Kind im Alter von ca. 11-13J. vom Vater und 2 Brüdern sexuell missbraucht. Ich habe mit großem Erschrecken den Bericht von Nordrach gelesen vor ein paar Tagen. Es hat mich sehr an meinen eigenen Missbrauch erinnert. Mittlerweile bin ich 60 J. alt. Alle die wegschauen, oder nicht sehen wollen, sich nicht damit konfrontieren wollen sind Mittäter! Sie sind auch schuld weil sie es nicht an Behörden melde, dass da was nicht stimmt. Mein Vater war Alkoholiker, keinen hat es in der Verwandtschaft ( Onkel, Tanten, Schwester ) interessiert, dass ich allein da aufwachse dazu mit älteren Brüdern!
    Wacht endlich auf!

    Antworten
  • Hallo Beate,

    durch die aktuellen Ereignisse in Münster reißen auch bei mir Wunden wieder auf, von denen ich glaubte, sie wären verheilt. Ich war allerdings kein Kind, als es anfing, sondern schon 25. Doch die Vorgehensweise kommt mir sehr bekannt vor und die langsame Erkenntnis, dass sich die Erlebnisse doch nicht so leicht abschütteln lassen. Ich hatte dem Mann sogar mittlerweile verziehen, weil ich auch sein Innenleben kannte. Doch durch die Reaktionen auf das Drama in Münster dämmert mir langsam, dass ich all die Foto- und Videoaufnahmen, die von mir gemacht wurden, zu leichtfertig abgetan habe. Immer mit der Einstellung: “Ich hab eben JA gesagt.” Aber jetzt kommt alles hoch und lässt sich nicht deckeln. So stieß ich eben beim googlen auf deine Seite. “Ich bin nicht der Missbrauch” – allein der Satz hilft mir sehr. Danke für deinen Mut und deine Offenheit. Ich finde gerade neue Perspektiven, auch wenn sie erstmal sehr schmerzhaft sind. Herzensgrüße, Kirsten

    Antworten
  • Danke für diese wichtigen Worte. Mutmacher bist du-jetzt auch für andere! So wichtig, dass du erzählst!!! Ich bete für Dich und alle Seelen.

    Antworten
  • Danke für diese wichtigen Worte. Mutmacher bist du-jetzt auch für andere! So wichtig, dass du erzählst!!! Ich bete für Dich und alle Seelen. Hoffentlich machen jetzt alle die Augen auf!!!

    Antworten
  • Kirsten Scherbaum
    13. Juni 2020 14:48

    Liebe Anne,

    DANKE für deine herzlichen Worte. Am vergangenen Wochenende hatte ich einen Nervenzusammenbruch, ich sah alle Situationen wieder vor mir. Ich weinte unglaublich viel und mir hämmerte ständig durch den Kopf: “Ich war doch immer feucht. Ich hab es doch gewollt. Ich hatte also Lust.” Mein Ekel vor mir selbst war grenzenlos. Dann nahm ich allen Mut zusammen und googlete danach. Auf einer Seite von Dunja Voos fand ich dann weitere Artikel, die mir sehr geholfen haben. Das Feuchtwerden und mein späteres Sexualisieren der Erlebnisse waren Schutzreaktionen meines Körpers und meiner Psyche. Darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Mir ging es schlagartig besser, irgendwie konnte ich das Erlebte etwas besser einordnen. Ich habe leider kein Austauschforum für Betroffene gefunden, deshalb schreibe ich hier nochmal. Herzensgruß, Kirsten

    Antworten
  • Hallo
    Auch mir geht es, nach Jahren in denen es “okay” war, wegen der Vorfällen in Münster (ich wohne ganz in der Nähe) wieder viel schlechter.
    Ich bin an dem Punkt wo ich nicht mehr schweigen kann. Es muss raus, muss an die Öffentlichkeit. Zu lange Zeit wurde es versteckt.
    Das Problem, ich habe Kinder. Wie soll ich mich in der Öffentlichkeit “outen”, was würden Freunde in der Schule denken/sagen. Ich habe große Angst, meine Kinder würden dann gemobbt werden. Mein Sohn würde hinter mir stehen. Wahrscheinlich auch die Tochter. Nur ist es so, dass sie schon mal gemobbt wurde und ich froh bin dass das seit zwei Jahren wieder vorbei ist.

    Wie geht man damit um?
    Beate, wie hast du das gemacht?
    Wie machen andere das?

    Ich darf nicht mehr alleine bleiben damit.

    Antworten
  • Norbert Faber
    30. Juni 2020 17:02

    Das ist doch das Lieblingsthema des Teufels. Die Krankheit Missbrauch schleicht sich heimlich in den Geist und kann sogar veerbt werden. Daher mag ich es eigentlich nicht aufschreiben aber ich bin mir sicher, es sind mehr als 9 Prozent Kinder die in Europa missbraucht werden/wurden. Das zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten und ist eine richtige Seuche, die bekämpft werden muss. Mit allen Mitteln!!

    Antworten
  • Beate Kalmbach
    9. Juli 2020 21:56

    Stimmt – beim Gedanken an Missbrauch verstumme auch ich und fühle mich mies. Aber ich weiß – davon müssen wir weg und drüber reden. so lange und so oft und viel, dass es sich nicht mehr untern teppich kehren lässt und jede/r leichter den Mut finden kann, sich zu wehren und Hilfe zu holen.
    https://beatekalmbach.home.blog/2020/07/09/kein-inselfeeling/

    Antworten
  • Ich bin es auch nochmal und habe keine guten Neuigkeiten. Bie vor kurzem war ich in einem Forum für Depressionsbetroffene sehr aktiv. Eine Betroffene hatte den großen Mut, in Ansätzen über ihren Missbrauch und die Folgen zu schreiben. Ich antwortete behutsam darauf. Unsere Kommentare wurden gelöscht und uns wurde die Löschung der Accounts angedroht, wenn wir weiter über sexuellen Missbrauch schreiben. Mir ist völlig schleierhaft, wie das eine vom anderen getrennt werden soll. Ich bin noch immer schockiert. Wir sind so so so weit weg von einer Enttabuisierung. Die Opfer werden so nochmal bestraft.

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