Gastbeitrag: Ich bin die Tochter einer narzisstischen Mutter

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Ich bin die Tochter einer narzisstischen Mutter

Meine Gastautorin heute widmet sich einem Tabu-Thema: Narzisstische Mütter. In ihrer Kindheit wurde sie oft bloßgestellt, schlimm gedemütigt, seelisch misshandelt. Bis sich eines Tages das Jugendamt einschaltete. J. wurde ein paar Jahre aus ihrem Zuhause genommen. Heute sagt sie: “Das hat mir das Leben gerettet!” Sie arbeitet als Bibliothekarin und lebt mit ihrer Familie, Kindern und Hund in Potsdam. Liebe J., ich danke dir für deine Offenheit und Aufklärung zu diesem Thema.

“Ich kann mich noch erinnern, als ich im Auto neben ihr saß und mich so schlecht dabei fühlte. Nicht schlecht aufgrund des Ausschlages an meinem Körper, sondern aus schlechtem Gewissen und der Tatsache wegen, dass sie mich zum Arzt fahren musste. An einem Sonntag! „Nur weil du die Krätze hast, muss ich mir den Stress antun.“ Sie war so wütend. Ich erinnere mich an die Heimwege, die ich gerne zu Fuß über das Feld ging, zu jeder Jahreszeit. Egal ob im Hellen oder Dunkeln. Zeit für mich. Und mir passiert ja eh nichts, denn Mama sagte „So hässlich wie Du bist, vergewaltigt Dich eh keiner.“ Das ich nicht hübsch aussehe, dafür sorgte sie jedes mal, wenn sie mir in ihrer Wut die Haare abschnitt. 

narzisstische mütter

Ich habe eine narzisstische Mutter

Heute bin ich selbst Mutter, vieles liegt es in der Vergangenheit. Jahre der Aufarbeitung folgten, viele Tränen der Angst, aber auch der Wut. Der Verzweiflung, aber auch der Hoffnung. Und der Gewissheit, dass man all dies hinter sich lassen kann, um eines Tages anderen Mut zu machen.

Denn es gibt so viele von ihnen da draußen. So viele Töchter einer narzisstischen Mutter. Doch was ist genau Narzissmus? Ich habe mich damit lange beschäftigt, weil ich irgendwie auch verstehen wollte, was da mit mir geschah – und was mit meiner Mutter.

Das Wort Narzisst leitet sich von einem Mythos aus der griechischen Antike ab. Der junge Narziss lehnt die Liebe einer Frau ab und wird dadurch mit unsäglicher Selbstliebe gestraft. Er verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild, welches er im Wasser reflektiert entdeckt. Da er das das Objekt seiner Liebe nicht erreichen kann, verwandelt er sich nach dem Tod in eine Narzisse. Heute definiert sich Narzissmus in verschiedenen Kategorien. Die meisten Menschen tragen Selbstliebe in sich, was auch gut und normal ist. Dann gibt es egoistischere Personen, die jeder kennen dürfte. Unangenehm, aber ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein zeichnet diese Personen aus. Ja, und dann gibt es da den malignen (krankhaften) Narzissmus. Diese Personen drehen sich nur um sich selbst und erwarten, dass es die Welt ihnen gleich tut.

In der Literatur werden Narzissten u.a. als emotionale Vampire beschrieben. Dies ich sehr treffend. Sie ziehen ihre Energie aus der Aufmerksamkeit anderer Personen und dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Ähnlich einer Sucht wie beim Alkohol, benötigen sie ständig neue Zufuhr. Wenn man diese verweigert, werden sie oft bösartig. „Stiehlt“ man ihnen die Aufmerksamkeit, muss diese hart erkämpft werden. Derjenige, welcher es wagt sie zu entblößen, wird kriegerisch bekämpft. Sie weiden sich geradezu am Leid des von ihnen ernannten Feindes. Einem solchem Menschen im Alltag zu begegnen und aus dem Weg zu gehen ist oft schon schwer, am Arbeitsplatz beispielsweise.

Aber als Kind hat man keine andere Wahl. Dazu kommt, das Narzissten gute Schauspieler sind. Das Selbstbild des perfekten Menschen muss nach außen aufrecht erhalten werden. Daher durchschauen Außenstehende diese Spiel oft sehr spät oder gar nicht, denn in der Familie scheint alles heil zu sein, geradezu perfekt. Jedes kleine Erwähnen seitens des Kindes wird nach außen als Phantastereien dargestellt. „Ach sie hatte schon immer eine rege Fantasie, neigt zum Träumen, schaut zu viel fern oder steht gerne im Mittelpunkt. Wir wissen langsam nicht mehr weiter.“

Typisch für diese Familien ist die Klassifizierung der Kinder

Während die Mutter auf das eine Kind alles Schlechte projiziert, ist das Geschwisterkind das gute Kind. Macht alles perfekt, nahezu fehlerfrei. In der Psychologie spricht man vom goldenen Kind und dem Sündenbock.

Das goldene Kind, welches auch nicht in der Lage ist all dies zu durchschauen, himmelt die Mutter oft geradezu an. Erzählt logischerweise gegensätzliche Erlebnisse und entwickelt sich ganz anders. Typisch ist auch, dass das goldene Kind von der Mutter funktionalisiert und in das Spiel eingebunden wird. Klassisch „Ich war das nicht, Mama, es war meine Schwester.“ Das andere Kind wird ungefragt bestraft, denn das goldene Kind hat immer recht.

Das Kind mit der Sündenbockrolle traut mit der Zeit nicht mehr seiner Wahrnehmung, wird immer unsicherer und zweifelt an sich als Mensch. Somit ist ein Kind in dieser Konstellation völlig isoliert. Dazu kommt, das solche Kinder in der Schule sehr unaufmerksam sind und teilweise auch Verhaltensauffällig. Ein gefährlicher Kreislauf, denn nun ist es auch in der Schule ein Außenseiter.

Meine schlimmsten Jahre

Bei mir ging das Jahre so. Irgendwann wurde meine Angst vor meiner Mutter zu groß und ich lief von zu Hause weg. Das Jugendamt schaltete sich ein und ich wurde für ein paar Jahre aus meinem Zuhause weggenommen. Das hat mir das Leben gerettet und das meine ich so, wie ich es schreibe. Bis heute nimmt mir dies meine Mutter übel. Aber auch nach so einem drastischen Eingriff von außen war sie nicht in der Lage zu erkennen, dass sie als Erwachsene Fehler gemacht hat. Sie bauschte Kleinigkeiten auf und versuchte nach außen, ein Bild des bösartigen Kindes darzustellen.

Eine Sache, die sie gerne verbreitet hat, war, ich hätte meine Geschwister misshandelt und wegen mir hätte das Jugendamt ihr diese auch fast noch abgenommen. Fakt war, sie lies mich im Grundschulalter des öfteren mit meinen jüngeren kleinen Geschwistern über Stunden alleine. Ich war überfordert und habe sie geschlagen, wenn sie nicht hören wollten.

Das Gute war, dass ich als junge Erwachsene eine Therapie gemacht habe. Noch bevor ich Mutter wurde, wollte ich all dies aufarbeiten, denn sie sagte mir immer, ein Mensch wie ich dürfe keine Kinder bekommen. Sie nahm selbst diese Situationen war, als wäre ich eine Erwachsene gewesen, der sie die Kinder anvertraut hat. Sicher eine Folge ihres Alkoholkonsums, denn erschwerend kam hinzu, dass meine Mutter Alkoholikerin war und oft nicht nüchtern. Sie konnte es gut verbergen, da sie „stilvoll“ trank … hochwertige Alkoholika und somit nicht mit der Schnapsflasche umherlief.

Auch dies wurde mir erst bewusst, als ich erwachsen war. Noch heute trinke ich selten Alkohol.

Aber ich kämpfte und wurde innerlich heil.

“Sie verfügen über eine gute Resilienz“, meinte damals mein Psychologe am Ende der Therapie. Resilienz ist die psychische Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Diese Aussage hat mir sehr geholfen.

Ich persönlich fand schon als Kind, dass man als Erwachsene selbst für sein Handeln verantwortlich ist und die Fehler nicht auf seine Kindheit schieben darf. Etwas, dass mich übrigens bei meiner Mutter immer störte. Sie gab für alle Probleme ihren Eltern die Schuld. Somit kämpfte ich jahrelang dagegen an und bin bis heute dabei, mein Handeln stets zu reflektieren. Mühselig, aber auch heilsam.

Als Mutter weiß ich auch, dass Kinder nicht die Verantwortung für solche Probleme in der Familie tragen. Ich würde niemals mein Kind auf Stunden mit den wesentlich kleineren Geschwister alleine lassen und danach behaupten, sie habe sie misshandelt. Ein Kind in diesem Alter ist einfach zu Recht überfordert und schlägt leichter zu, wenn die Geschwister etwas anstellen. Wofür ich im übrigen auch bestraft worden wäre und somit der Druck noch viel größer war. Ich musste ja aufpassen.

Mein Vater war mir leider auch keine Hilfe, denn er hatte keine eigene Meinung und schien nicht wirklich präsent zu sein. Auch typisch für narzisstische Beziehungen. Der Partner hat keine eigenen Interessen, kein eigenes Ich und fungiert wie ein verlängerter Arm. Dennoch kann ich ihm bis heute nicht wirklich böse sein. Er ist auf seine Art auch ein Opfer ihres narzisstischen Verhaltens.

Dennoch bleiben auch bei einer guten Verarbeitung Narben und Wunden zurück. Kinder mit einer solchen Vergangenheit tun sich im Erwachsenenalter leider auch oft schwer, achtsam mit sich selbst zu sein. Ein Problem, mit dem ich oft kämpfe. Ich fürchte meine Grenzen und ich habe Angst zu versagen. Mache ich Fehler, folgt die Angst der Ablehnung des anderen. Auch nehme ich mir schnell Dinge zu Herzen, reflektiere einmal zu viel und bin sehr selbstkritisch. Aber ich habe Glück und einen wunderbaren Mann und Freunde, die um all dies wissen. Darin finde ich Trost und Halt. Da ich mit meiner Mutter so gut wie keinen Kontakt mehr pflege, geht es uns als Familie gut. Ich möchte nicht, dass meine Kinder in diesem Umfeld aufwachsen. Die Gefahr, dass sich dies wiederholt, ist mir zu groß.

Ich liebe es Mutter zu sein und meine Kinder strahlen zu sehen. Jeden Einzelnen in seiner Einzigartigkeit zu unterstützen. Zu lieben, so wie sie oder er gedacht sind und nicht wie ich oder ein anderer sie haben möchte. Vielleicht neige ich auch dazu meine Kinder zu sehr zu verwöhnen, aber mal ehrlich, es gibt Schlimmeres.

Es ist mir persönlich ein Anliegen, sowohl darauf aufmerksam zu machen, als auch Mut zu geben, dass jeder Mensch, sei die Kindheit noch so schwer, die Gewissheit haben kann, ein glückliches, heiles und erfülltes Erwachsenenleben zu führen.

Es ist nämlich möglich.

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16 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Ist das traurig 🙁 Mir fehlen die Worte. Eins will ich aber noch dalassen: Es ist beeindruckend wie D. das für sich „gelöst hat“. 👍🏼

Antworten
einfach Stephie
31. August 2018 21:56

Der Artikel hat mich sehr berührt. Es ist eine sehr traurige Geschichte, die aber dennoch Hoffnung gibt. Die Autorin des Beitrags hat inzwischen eine eigene Familie gegründet und ist trotz allem ein glücklicher Mensch geworden. Wie wundervoll!! Das macht Frauen in ähnlicher Lage sicher Mut, sich ebenso psychologisch unterstützen zu lassen, um die Vergangenheit zu „bewältigen“. Danke für diesen Einblick in deine Lebensgeschichte, liebe D. – alles Gute für dich!!

Antworten

Danke für den Text. Ich bin auch die Tochter einer narzisstischen Mutter. Wurde über viele Jahre verprügelt und seelisch ganz schlimm misshandelt. Ich erkenne mich total in dem Text. Auch ich habe es geschafft und mir ein glückliches Leben mit Mann und zwei tollen Töchtern erschaffen. Es war ein langer, schmerzhafter, Weg und es gibt Situationen wo mich alte Muster immer noch einholen. Aber ich kann sagen, ich habe es geschafft. Fühl dich umarmt.

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Du schreibst mir von der Seele!!! Bei mir standen zudem noch schwere Misshandlungen im Alltag…
Hoffe es geht dir gut!

Antworten

Ich habe auch eine
narzisstische Mutter
Und ich wollte gerade anfangen zu schreiben was in der Beziehung falsch gelaufen ist und mir ist klar geworden dass der Text das Volumen der ganzen Seite sprengen würde,

Also fasse ich das mal zusammen:

Als Kind mit einer solchen Mutter aufzuwachsen ist die Hölle auf Erden Komma

Die Person die du am meisten braucht und die du (zu Anfang)
am meisten liebst,
verrät dich/beutet dich aus
und niemand versteht dich,
du wehrst dich mit dem einzigen was dir bleibt (den blanken Fäusten) gegen die intriganten Worte der Person die du am meisten liebst und
aus Hass gegen sie entsteht
brennender Selbsthass,
denn auch diese Taten nutzt sie und du hörst auf dir selbst zu trauen,
du kannst nichteinmal
deiner eigenen Mutter trauen!

wie willst du da einem späteren Partner vertrauen?

Ich bin 19 und kann das vielleicht noch ändern aber ich weiß das mir nichts mehr Angst macht als manipuliert
zu werden.

In einer Beziehung laufe ich davon,
erfinde unterbewusst Gründe/
gebe Dinge vor weil ich tief in mir immer noch Angst habe so etwas je wieder zu erleben..

Ich hoffe auch später einmal Leuten (gleich welchen Geschlechts)
helfen zu können aber ich weiß mir im Moment nicht einmal selbst zu helfen,
wenigstens habe ich jetzt schonmal die Erkenntnis darüber.

LG♡

Antworten

Hallo
Ich bin auch Tochter einer narzisstischen Mutter.
Richtig Bewusst wurde mir das aber erst letztes Jahr. Zufällig einen Beitrag drüber gelesen und dann kam quasi zu mehreren Flashbacks. Ich hab alles von damals ziemlich gut verdrängt.
Es macht Mut zu lesen das man alles so gut aufarbeiten kann.

Narzisstische Eltern ist leider ein Thema worüber viel zu wenig Bescheid wissen, wie ich finde.
Kinder vertrauen ihren Eltern von Anfang an blind… Grad der Mama sollte man doch am meisten vertrauen können…Für viele der wichtigste mensch im Leben. Manchmal schwer zu begreifen.

Ich wünsche weiterhin alles alles gute für dich 🙂 danke für den Mut es genauso anzugehen.

Antworten

Das ist sehr traurig Sündenbock zu sein. Ich habe leider dieser Erfahrung. Ich erinnere mich noch an ihre Wörter. Ich mag dich nicht, du bist nicht nützlich. Und hat mich gezwungen um alle Geschwister zu kümmern. Mit 12 Jahre alt hat sie gesagt dass ich weg gehen soll , in Rio de Janeiro wäre mein besser Platz. Da sind die prostituierte. Aber wirklich ,ich wusste nicht was sie damit meinte. Ich bin noch jungentlich weg gegangen. Ich habe sehr gelliten. Da müsste ich alles alein schaffe. Heute habe ich noch Depression, aber schön dass ich schon weiß dass ich nicht alein bin. So dachte ich früher .

Antworten

Danke liebe Leonie für den tollen Artikel!

Liebe J., fühl Dich ganz doll gedrückt! Toll wie Du Dich selbstreflektieren kannst, da kannst Du sehr stolz drauf sein.

Ich war mit einem Narzisten verheiratet und er macht mir das Leben immer noch schwer. Meine grosse Angst ist, dass er auf meinen wundervollen empathischen Sohn abfärbt. Ich suche überall Hilfe um für uns Zwei einen schönen Weg zu finden. Nicht immer leicht, aber es lohnt sich so sehr, sich von solchen Menschen loszusagen.

Es hat mir so gut, Deine Geschichte zu lesen, ich hab das Gefühl, ich bin nicht allein.

Danke Dir für Deinen Mut, Deine Geschichte zu erzählen.

Liebe Grüße
Grit

Antworten
Andrea Michel-Dieterle
3. Mai 2019 12:41

Die Schilderung der Autorin ist für mich aus eigenem Erleben vollkommen zutreffend. Bei uns war mein Bruder das Goldkind und ist es bis heute. Als Tochter hatte ich nur die eine Daseinsberechtigung, ihre Wutausbrüche und Ungerechtigkeiten zu ertragen. Folgerichtig habe ich dann Jura studiert. Als -später- Familienanwältin kam ich zu der Überzeugung, dass auch mir nur das Jugendamt oder ein Familiengericht hätte helfen können, denn mein Vater war abgesehen von ein paar wenigen Episoden keine Hilfe gegen diese Willkür und Bosheit. Er flüchtete sich in zumindest eine (von der ich weiß!) außereheliche Beziehung, die er neben seiner Ehe bis zu seinem zu frühen Krebstod im Jahr 1994 über 30 Jahre aufrecht erhielt. Als Jahrgang 1957 war aber die Hoffnung auf JA oder Familiengericht natürlich nicht realistisch. Meine Rettung war zum einen die liebevolle Großmutter, die ich wenigstens hatte, bis ich 15 Jahre alt war und später mein Therapeut, denn das ist meine Erfahrung, ohne eigene Therapie kann man diesen malignen Narzissten nicht entrinnen. Denn, obwohl sie einem ja nun objektiv keinerlei Grund geben, sich um sie zu sorgen, pflanzen sie einem so tief ein, dass man für deren Wohlbefinden zu sorgen hat, dass man diese Widersprüchlichkeit nur im Rahme einer Therapie (mit Rückfalloption, leider!) bearbeiten kann.
Nun ist sie über 90 Jahre alt und schäumt und tobt wie eh und je.
Sie spaltet die Familie bis in die Enkel-, ja bis in die Urenkelgeneration. Es macht ihr eine große Freude, mich bei meinen eigenen Kindern, insbesondere bei den Söhnen, schlecht zu machen und ihnen einzureden, welch schlechte Mutter ich für sie war. Ich könnte hier jetzt in mehr Details gehen, aber das würde den Rahmen eines Kommentars sicher sprengen.
Vor kurzem habe ich angefangen, meine Erlebnisse – vielleicht wird es ein Buch – aufzuschreiben. Wenn ich die Kraft dazu habe, schreibe ich immer ein Stück weiter. Mittlerweile arbeite ich nicht mehr als Anwältin, nicht einmal mehr als Juristin. Am Ende des Tages kann ich nur sagen, dass das analytische objektiv ausgerichtete Denken der juristischen Welt mir im Rahmen einer Distanzgewinnung etwas hilfreich war. Eine Heilung darf man sich nicht erhoffen. Ich fände es schön, wenn das Augenmerk im Netz zunehmend mehr auf die Befindlichkeiten der “Opfer” derartiger bösartiger Narzissten gerichtet würde, denn diese brauchen neben ihrer hoffentlich vorhandenen eigenen Resilienz auch genau die Gewissheit, dass sie selbst keine falschen Emotionen haben.
Nur am Rande: meines Erachtens leidet auch das sogenannte Goldkind, denn es wird emotional genauso missbraucht, wie der Sündenbock. Mein Bruder ist bis heute (58 Jahre alt) noch immer weitgehend unreflektiert zu unserer Situation mit unserer eigenen “Königin der Nacht”. Vor Kurzem hat sie angefangen, ihn auch wie einen Sündenbock zu behandeln; das lag möglicherweise daran, dass ich den Kontakt zu ihr beendet habe. Sie hat auch neue Goldkinder “erfunden”, ihre 3 Enkelsöhne. Meine Tochter behandelt sie grundlos wie mich – als Sündenbock. Meine Tochter hat den Kontakt zu ihr auch schon vor Jahren beendet. Aus meiner Sicht ist es das Beste, man gesteht sich ein, wie alles tatsächlich ist, wie es weh tut und weh tat und vor allem, dass man es nicht ändern kann.
Solange man glaubt, selbst etwas ändern zu können, steckt man wieder im alten Teufelskreis.
Bei einer 90 Jährigen löst sich das tatsächliche Problem auch irgendwann durch Zeitablauf. Das ist jetzt juristisch formuliert.
Die Sehnsucht nach einer liebevollen, wohlmeinenden und empathischen Mutter muss man indes meiner Meinung nach aufgeben.

Antworten

    Liebe Andrea ,
    auch ich litt und leide unter einer narzisstischen Mutter.
    Durch den Tod meines Vaters vor 11 Monaten ( der letztendlich immer nur wegsah) ist so vieles wieder aufgebrochen. Meine Mutter ist jetzt 81, Anfang Demenz , bösartig wie eh und jeh. Seit 7 Wochen habe ich Kontaktbbruch. Gut geht es mir damit nicht, aber besser. Mein Bruder, das Goldkind, versteht nicht wie es mir geht, hat ja auch eine andere Geschichte mit ihr.
    Ich versuche mit Therapie das ganze unter die Füße zu bekommen, aber die Verletzungen sind so tief….
    Wenn das möglich ist und du magst, würde ich so gerne per Mail mit Dir Austausch haben?!
    Liebe Grüße

    Antworten
    Andrea LP
    31. Mai 2019 10:04

    Liebe Andrea,
    schon länger suche ich (56) eine etwa gleichaltrige Betroffene, die eine ähnliche Geschichte mit sich trägt. Ich war der Sündenbock, die Hass-Projektionsfläche für meine Mutter (lieblos, gehässig, entwertend, demütigend, , unempathisch, manipulativ, zwischen die Familienmitglieder Keile treibend, verlogen, schuldzuweisend,….), mein Bruder das Goldkind – bis zu seinem Konkurs, den die Mutter finanzierte, die jüngste Schwester das zweite Goldkind und die mittlere Schwester des Lieblingskind des coabhängigen, in seiner Schwäche Mutters Machenschaften duldenden und teilweise mitausführenden Vaters. Über 40 Jahre geschriebene Tagebücher haben wahrscheinlich zu meiner Resilienz beigetragen und lassen mich gleichzeitig wundern, dass ich erst jetzt den Schritt des Kontaktabbruches schaffe. Seit dem Tod des Vaters hat sich die Gehässigkeit der Mutter gegen mich potenziert (wahrscheinlich, weil ihr der Ehemann als Projektionsfläche fehlt). Ich ertrage es nicht mehr, Panikattacken und eine psychische Leere, die mir die Lebenskraft und -freude rauben. Ich habe zwar die physische Distanz geschafft, jedoch geistig spukt die Mutter Tag und Nacht in meinem Hirn herum.
    Seit mir die Dynamiken der narzisstischen Persönlichkeitsstörung bewusst sind, schwirrt mir der Gedanke im Kopf herum ein Buch zu schreiben, auch um dem Thema Narzisstische Mutter öffentlich mehr Präsenz zu geben.
    Ich würde mich gerne mit dir privat austauschen und über eine Zuschrift deinerseits sehr freuen.
    Liebe Grüße

    Antworten

Ich stehe noch am Anfang der Aufarbeitung. Der Text trifft zu, tut wieder weh.
Meine Tochter, gerade 4, ist das Lieblingsenkel – darunter leidet meine Schwester, die damals das “Goldkind” war. Meine Schwester und ich versuchen, darüber zu stehen. Sie sieht es jetzt, wo diese Situation eingetreten ist, dass unsere Kindheit nur für sie schön war. Denn ihre Kinder sind jetzt Opfer.
Schwanger mit dem zweiten Kind, dreht sich das Blatt wieder. “lass dich sterilisieren!” “ich will nichts von deiner Schwangerschaft wissen.” “stell dich nicht so an, du bist nicht krank!” (ich leide unter der Hitze mit Wassereinlagerungen und Krämpfen, bzw auch Einschlafen der Gliedmaßen und fahre daher nicht mehr Auto) in 6 Wochen ist ET.

In mir arbeitet es. Ich habe unglaublich Angst, dass ich genauso werde wie sie und eins meiner Kinder nachher nicht so lieben kann, wie sie es zweifellos verdient haben.

Ich reduziere gerade den Kontakt, was mir sehr weh tut, auch, weil ich mit meinem Papa dann weniger Kontakt habe. Und er steht unter ihrer Kontrolle.

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Auch ich hatte eine narzisstische Mutter und war der Sündenbock der Familie. Sie entblößte mich vor meiner Verwandtschaft und ihren Freunden. Benutzte extrem religiöse Erziehungsmasnahmen unter anderen körperliche und verbale Gewalt. In der Schule wurde ich von Lehrern und Mitschülern ausgegrenzt. Ich bin jetzt schon älter und lebe getrennt und habe noch immer Schwierigkeiten Freundschaften aufzuerhalten. Mein nazzistischer Ehemann benutzt meine extremen Unsicherheiten um mich noch mehr auszugrenzen. Dies hat er teilweise auch geschafft.

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