Mama im Homeoffice

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Mama im Homeoffice: Immer da und trotzdem bei der Arbeit

Seit nun mehr als zehn Jahren arbeite ich im Homeoffice. Genau genommen fing es 2003 an – mit der Geburt meiner ersten, großen Tochter. Als sie sechs Wochen alt war, habe ich mich damals selbstständig gemacht. Ich war mit 24 gerade zum erstem Mal Mutter geworden und wollte alles, aber eben nur nicht in den festangestellten Fernsehjob zurück. Nicht, dass es mir nicht gefallen hätte. Im Gegenteil! Ich liebte meine Arbeit über alles, aber die 50-Stunden-Wochen konnte und wollte ich mit Baby nicht machen. Das liegt nun mehr als 13 Jahre zurück, damals lebte ich in Berlin, die Kita-Platz-Problematik gab es nicht.
Mein Homeoffice mit Baby strukturierte ich anfangs so, dass ich immer zu den Schlafenszeiten gearbeitet habe. Es kam der Punkt, an dem mein Business wirklich gut lief und die Schlafenszeit des Kindes am Tag nicht mehr ausreichte. Also musste ich die Abende und Nächte irgendwann hinzunehmen – und das ist bis heute so.
Mit einem Jahr ging meine erste Tochter Lilly in eine städtische Berliner Kita, in dieser Gruppe waren gerade mal sechs kleine Kinder. Ein Traum! Bei meiner zweiten Tochter, die nun drei Jahre alt ist, war das schwieriger. Selbstständig war ich noch immer, den Kitaplatz aber – mittlerweile in Köln – bekamen wir erst nach ihrem zweiten Geburtstag. Nach dem Babyjahr hieß es dann also: Homeoffice mit Kind. Dass sich das hauptsächlich in die Nächte und Wochenenden verlagert hat, dürfte klar sein. Es war sehr anstrengend, ich hatte kaum Struktur und ich glaube, ich habe mich bis heute von dieser Doppel- und Dreifachbelastung Kinder – Selbstständigkeit – Schlafmangel nie richtig erholt.
                                                                                                                                  Foto: Leni Moretti Photography 

 

Viele fragten mich all die Jahre: “Wie schaffst du es nur, dich im Homeoffice zu motivieren? Ich würde ja alles machen, nur nicht arbeiten“. Die Antwort ist einfach: Ich muss. Denn es ist mein Job, mein Beruf zu Schreiben. Das kann ich zum Glück zuhause. Aber wenn ich das nicht tue, kann ich nicht existieren. Wenn man muss, geht alles. Ich muss Geld verdienen, ich möchte Geld verdienen und ich sehe es als großes Glück an, dass ich dies im Homeoffice tun kann. Ich muss mich aber auch um meine Rente kümmern, meine Krankenkasse und Sozialabgaben selbst bezahlen und und und. Kurzum: Ich schaffe es, mich zu motivieren, weil es viele Rechnungen zu begleichen gibt, die dafür sorgen, DASS ich etwas tue. Vor allem aber schaffe ich es, mich zu motivieren, weil ich das tun kann, was ich so sehr liebe. Ich brenne total für meine Arbeit! Ich habe einfach Bock dazu! Und das ist ein großes Gut, wenn man das, was man liebt, beruflich tun darf – und damit auch erfolgreich ist.

Homeoffice hat für mich viele Vorteile. Meine kleine Tochter hat gerade so knapp das erste Kindergartenjahr hinter sich, gefühlt ist sie alle paar Wochen längere Zeit krank. Ich kann zuhause sein und mich um sie kümmern, ohne mich vor einem Chef oder Kollegen rechtfertigen zu müssen.
Ich kann aber auch zuhause sein, wenn meine große Tochter von der Schule kommt, ihr zuhören, sie bei den Hausaufgaben unterstützen oder einfach nur mit ihr gemeinsam essen. Ich kann nebenbei die Wäsche machen, Pakete entgegen nehmen und und und.
Viele viele Vorteile. Das alles klappt ganz wunderbar, wenn ich mit etwa 30 Wochenstunden auskomme. Leider ist das aktuell nicht mehr so. Ich brauche mehr Zeit. Mehr Zeit für den Job heißt weniger Zeit für den Haushalt. Und momentan bin ich an dem Punkt, da schaffe ich vieles nicht mehr.

Die Sache ist nämlich die: Ich habe kein Büro zuhause. Mit der Geburt meiner kleinen Tochter musste dieser Raum einem Kinderzimmer weichen. Heißt also: Ich arbeite in unseren Wohnräumen und ich sehe den ganzen Tag, was alles so rumliegt. Ich kann auch nicht einfach so abschalten und die Arbeit hinter mir lassen, weil ich immer alles sehe. Dreck, Müll, Wäsche, Unordnung.
Mein “Ritual” ist also: Am Morgen räume ich auf, ich putze und mache das Nötigste und versuche, nicht mehr als eine Stunde Zeit zu verlieren. Erst dann beginne ich mit meiner Arbeit.

So ist es jetzt. Noch vor einem Jahr, mit Kleinkind ohne Kita und Selbstständigkeit war das etwas anders: Meine Arbeit verlagerte sich in die Abende, in Mittagsschlafzeiten und Wochenenden.
Etwa ein Jahr lang habe ich nahezu jeden Abend gearbeitet. Rückblickend war das echt hart – damals hat mir das komischerweise insgesamt recht wenig ausgemacht – denn ich hatte die volle Unterstützung meiner Familie und ich tat das, was ich liebte. Die schlechten Nächte aber mit der Kleinen, die späten Arbeitsstunden und überhaupt, immer wieder Energie für alles aufbringen zu müssen, hat mich viel Kraft gekostet und kostet mich immer noch viel Kraft. Es war während dessen okay, weil es nicht anders ging – im Nachgang aber spüre ich, wie viel Energie mir das geraubt hat.
Trotzdem will ich an meiner Situation aktuell nichts ändern, weiß aber, dass ich perspektivisch in einen Coworking Space gehen möchte. Das allerdings bringt mir auch erst dann etwas, wenn die Kleine nicht mehr so oft krank ist.

Zurück zum heute:
Ich arbeite mittlerweile sehr strukturiert, weil es anders nicht geht. Meine Texte schreibe ich meistens am Abend, Korrespondenz, Buchhaltung, Shootings, Bildbearbeitung, Rezeptentwicklung, Termine, den Shop und Social Media mache ich tagsüber.

Alle aktuellen Projekte speichere ich auf dem Desktop, und es ist immer wieder schön, einen Ordner auf die externe Festplatte zu schieben – dann, wenn Projekte abgeschlossen sind. Für mich die übersichtlichste und zufriedenstellendste Lösung.

Ansonsten habe ich viel Unterstützung von meiner Familie. Mein Mann bringt unsere Tochter jeden Morgen zur Kita, ich hole sie ab. Er ist auch derjenige, der sagt: Lass uns eine Putzfrau engagieren – und ich denke dann, aber Mensch, ich bin doch eh zuhause. Letzte Woche habe ich mich aber entscheiden, es einfach zu tun. Ich bin an dem Punkt, da ist das tolle Homeoffice einfach nicht mehr schaffbar. Also muss ich mir ausrechnen, was ich in der Zeit erwirtschaften kann, die sonst für Putzen drauf geht. Und das ist einfach wesentlich mehr als das, was eine Putzhilfe kostet.

Ich feile aktuell also an meinem Setting. Wir haben die Kita, wir haben einen Oma-Tag pro Woche, da kann ich dann zehn Stunden am Stück arbeiten. Und ich habe für meinen Shop meine beste Freundin als Minijobberin engagiert – ohne sie könnte ich das alles niemals stemmen und mit ihr an meiner Seite habe ich noch mehr Spaß an dem, was ich tue.
Ich musste lernen, dass ich nur begrenzt eine One-Man-Show sein kann. Dass man manchmal Dinge auslagern muss, um weiterzukommen und um Ideen zu realisieren. Als Bloggerin ist das gar nicht so einfach, weil man viel, wirklich viel selbst machen muss. Aber das Drumherum, das kann man delegieren.

Für mich wichtig und hilfreich in meinen täglichen Strukturen sind:

  • Feste E-Mail-Zeiten bzw. Zeit für Korrespondenz. Seit ich meinen Blog hauptberuflich betreibe, nimmt diese Arbeit sehr viel Raum ein. Denn es ist ja nicht nur die Beantwortung der Mails allein; sie sind ja immer verknüpft mit Timelines, Konzepten, Ideenfindung. Hierfür habe ich feste Zeiten. Außerhalb dieser Zeiten schließe ich dann auch meinen Posteingang, so dass neue Mails erst gar nicht aufploppen.
  • Feste Zeiten für Buchhaltung: Immer Freitags widme ich mich eine Stunde meiner Buchhaltung. Das ist besonders wichtig, und leider nervig. Hilft aber nichts und entspannt die Arbeit, wenn alle Unterlagen zum Jahresende an den Steuerberater gehen.
  • Einfache und übersichtliche Ordner-Strukturen auf dem Computer und im E-Mail-Postfach (übrigens unbedingt alles doppelt auf einer externen Festplatte sichern – ich hatte mal den Supergau, da war nämlich alles weg)
  • Mit Tageszielen arbeiten: Mir hilft eine einfache To-Do Liste. Für den Blog arbeite ich zudem mit einem lockeren Redaktionsplan, verbindlich für meine Kooperationen, als Anhaltspunkt für mich bei sonstigen Texten.
  • Mut zum Delegieren: Die Familie mit einbeziehen in die Aufgaben
  • Arbeitsbereiche auslagern, wenn das Business läuft: Steuer zum Steuerberater, Putzen zur Putzhilfe und generell eben haushaltsnahe Dienstleistungen wie Fensterputzer und Co in Anspruch nehmen.

Selbständig im Homeoffice arbeiten ist jeden Tag ein Learning aufs Neue. Und auch wenn ich das nun schon seit mehr als 13 Jahren mache, stecke ich immer noch im Lernprozess. Vor allem in Sachen Entspannung und Arbeitspensum habe ich noch viel Luft nach oben 🙂 Das aber fällt mir wirklich ausgesprochen schwer. Weil ich einfach richtig gerne arbeite!
Übrigens – Einsamkeit verspüre ich nie im Homeoffice. Ich bin gern allein und arbeite am besten, wenn es wirklich ruhig um mich herum ist.

Melanie vom Blog “Glücklich scheitern” hat mich darauf gebracht, über dieses Thema zu schreiben. Und deshalb reiche ich meine Gedanken zum Thema auch bei ihrer Blogparade ein. Danke, Melanie – für die Idee! Ich bin gespannt, wie die anderen Eltern ihr Homeoffice gestalten, erleben und worüber sie schreiben!

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Wunderbar. Endlich mal auf den Punkt genau so ausgesprochen, wie es seit Jahren bei uns läuft. Ein gutes Gefühl zu wissen, es gibt Entscheidungen die nicht nur ich fällen muss und Situationen die anderswo genau so “normal” sind. Finde nie die richtigen Worte, um ausenstehenden von meinem Arbeitsalltag zu berichten.

Antworten
    Leonie Lutz
    10. April 2019 12:00

    Ich finde, es ist nicht nur für aussenstehende schwer – auch innerhalb der Familie. Weil Mama ja da ist. Aber sie arbeitet eben und gesellschaftlich bist du als Mama, die zuhause arbeitet dann eben eine, “die so ein bisschen was macht”. 🙂

    Antworten

Huhu Leo,
mir geht es ganz ähnlich wie dir und 2014/2015 habe ich auch hauptsächlich Nachts gearbeitet. Jetzt mit 3 (fast 4) Kindern die zuhause betreut werden, stelle ich Abends einfach fest. Ich bin dann mal durch, ich brauche Feierabend. Vielleicht ist das auch ein Stück weit dieses “Älterwerden” und “geht nicht mehr so einfach”. Ich versuche grade die Hauptarbeitszeiten auf die Morgenstunden zu verschieben, mal schauen ob das klappt. Das ist ja das schöne an “selbstständig im Homeoffice”, wenn es nicht klappt kann man es schnell wieder ändern.
Liebe Grüße,
Katarina

Antworten

    Liebe Katarina, ich muss auch sagen, dass ich in den Morgenstunden am Effektivsten bin. Fürs Schreiben aber brauche ich eine spezielle Stimmung. Die finde ich eher am Abend wenn um mich herum Ruhe eingekehrt ist. Nicht jeder Text ist nachts entstanden, aber doch eine Menge. Ich weiß aber genau, was du meinst. Es gibt Tage, da bin ich auch so erschöpft vom Tag, da geht abends nichts mehr. Und dank Kita-Platz muss ich auch nicht mehr jeden Abend was tun, sondern eben nur noch punktuell. Meistens findet man mich alternativ in der Badewanne 🙂 Liebe Grüße an dich!!

    Antworten

Toll geschrieben und echt spannend zu lesen! Ich ziehe bei der Vorstellung an all deine Aufgaben meinen Hut vor dir (aber das hab ich dir ja schon immer gesagt) und bin sicher: nicht viele würden das so gut gewuppt kriegen, wie du!

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Einfach einmal cool beschrieben. Ja es geht eben wirklich.

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