Halbzeit in Kambodscha: Wie sieht es in einem Kinderdorf eigentlich aus?

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Halbzeit in Kambodscha. Pünktlich dazu hatte ich gestern ein Tief. Vieles hat sich unüberwindbar angefühlt. Manches war mir vorher bewusst, ein paar Herausforderungen habe ich geahnt, einiges ist schlimmer, als ich es erwartet hätte. Man muss sich einfach vorstellen, wir sind hier mitten auf dem Land in einem sehr kleinen Dorf. Die Menschen hier sind sehr arm, sie leben mit ihren Kindern, streunenden Hunden und Katzen, Ratten, Kakerlaken, Geckos und Moskitos in ihren Läden. Ja, sie leben in ihren Läden. Es gibt eine Straße, in deren „Shops“ man allerhand kaufen kann, dahinter leben dann die Menschen. Das sind aber keine Shops, wie wir sie kennen. Es ist ein Tisch, darauf liegen beispielsweise 10 Kokosnüsse, das war dann auch der „Laden“. Diese Menschen haben keine Sofas, sie haben allerhöchstens einen Fernseher, mit verschwommenem Bild. Sie haben keine Küchen, keine Badewannen, keine Waschmaschinen. Sie leben hier an der Straße, als würden sie die vielen schnellen Autos und LKWs gar nicht wahrnehmen.
Hier spielen ihre Kinder, hier essen sie. Es ist traurig, durch diese Straße zu gehen und das alles zu sehen. Man will hinsehen, aber die Menschen auch nicht anstarren.
Hinzu kommen die hygienischen Bedingungen hier, die logischerweise  komplett gegensätzlich sind zu denen in Deutschland. Das ist klar, das liest man, hört man von Freunden, die die Welt schon gesehen haben. Mir persönlich war nicht klar, wie schlimm es sich wirklich für mich anfühlt.

Gestern habe ich mir einfach nur ein sauberes Laken und eine saubere Decke gewünscht. Das Gefühl einer Dusche. Endlich mal irgendwo kein Tier (vor allem nicht im Bade- oder Schlafzimmer). Und: eine einzige saubere Toilette.
Trotzdem ist mir klar: Ich werde mich daran gewöhnen müssen und das will ich auch – irgendwie ist es mir unangenehm, dass ich mich an solchen Sachen störe, sehe ich doch jeden Tag: Hey, es gibt Schlimmeres!Gestern war es einfach die Masse an Gedanken und Eindrücken, die mich so beschäftigt haben. Und dann hatte ich noch großes Heimweh und auch heute fehlt mir meine Familie einfach sehr. Müde war ich auch, ich schlafe einfach nicht gut in meinem Bett hier und komme schlecht zur Ruhe.
Es kam also einiges zusammen. Müdigkeit, Heimweh, hygienische Bedingungen, die Umstände, die große Armut. Und in all diese Gedankenstrudel kommt dann die eigentliche Herausforderung. Der Grund, warum ich überhaupt hier bin. Das Kinderdorf „LIGHT OF HOPE“. Und das ist das einzige, was ich mir schwieriger vorgestellt hatte, als es ist. Denn was hier passiert, ist einfach toll. Weil sich alle mit aller Kraft sehr liebevoll um die Kinder kümmern.
 

​Natürlich fehlt es hier und da an gewissen Dingen, das ist ja ganz klar. Das Grundkonzept jedoch, das ist großartig. Ich erlebe fröhliche Kinder, liebevolle Erzieher, die ihre Kindergartenkinder in den Arm nehmen und über den Kopf streicheln. Junge Lehrer, die hochmotiviert sind, weil sie selbst in diesem Kinderdorf groß geworden sind, ihre Chance im Leben hatten, hier zur Schule gingen, danach ein Studium absolviert haben – und wieder zurückkamen. Ich erlebe glückliche und zufriedene Kinder mit schlimmen Lebensgeschichten, um die sich gekümmert wird. Für die jeden Tag frisch und gesund gekocht wird, denen Bildung für jedes Niveau geboten wird – und Liebe und Nähe, die jedes Kind besonders braucht.

Heute zeige ich euch, wie es im Kinderdorf der CFI Kinderhilfe aussieht. Ich habe viele Bilder gemacht und werde zu jedem etwas erzählen. Ende der Woche werde ich zusammen mit Amigo Spiele eine gemeinsame Spende in Höhe von 1000 Euro an das Kinderdorf machen. Es hat mich hier einfach überzeugt! Und es ist für mich wichtig zu sehen, dass Spenden hier gut aufgehoben sind, sie ankommen und die richtigen Menschen erreichen.

Und jetzt zeige ich euch dieses besondere Kinderdorf in Kambodscha in Bildern!

SCHULE IM KINDERDORF

​Zwei Schulgebäude im Kinderdorf „Light Of Hope“. Hier gehen alle Kinder zur Schule, die im Kinderdorf leben. Es kommen jedoch auch Schüler von außen dazu. Knapp 400 Kinder täglich besuchen Kindergarten, Grundschule und weiterführende Schule im Kinderdorf. Die Schule startet hier übrigens um 7 Uhr morgens. Punkt 11 haben die Kinder dann zwei Stunden Pause. Danach geht es weiter bis 16 Uhr.
Ob Kindergarten oder Schule: Alle Kinder tragen Uniform. Das ist hier noch wichtiger als sonst irgendwo, weil die Kluft zwischen arm und reich enorm ist. Es gibt eben Kinder, die von außen jeden Tag ins Kinderdorf kommen. Kinder, die noch beide Eltern haben und Eltern, die dafür eine kleine Schulgebühr von 21 Dollar pro Monat bezahlen.
Im Kinderdorf selbst sind alle Kinder Waisen. Sie sind traumatisiert. Manche lebten jahrelang auf der Straße. Alleine! Kleine Kinder! Im Kinderdorf sind sie gut aufgehoben. Mit ihrer Uniform sieht man ihnen nicht auf den ersten Blick an, was sie erlebt haben.
Unten: Ein typischer Klassenraum der High School im Kinderdorf.
​Es gibt drei Bibliotheken auf dem Gelände: Für den Kindergarten, die Grundschüler und für die Schüler der High School. Das find ich richtig toll. Natürlich gibt es nur eine kleine Auswahl an Büchern. Alle aber sind – wie übrigens auch die Schulbücher – in zwei Sprachen, Englisch und Khmer, damit die Kinder die zweite Sprache immer ein bisschen mitlernen.
Und noch ein Klassenraum im Kinderdorf. Oben seht ihr eine dritte Klasse.
Unten: ​Gebasteltes im Klassenraum. Da wird sich hier gerade in den jüngeren Klassen wirklich viel Mühe gegeben. In manchen Klassen hängen auch ganz viele bunte Girlanden, einfach nett!
Unten der Schulhof im Kinderdorf – schön, oder?

ERNÄHRUNG IM KINDERDORF

Fasziniert bin ich tatsächlich direkt an Tag 1 gewesen, vor allem was die Ernährung der Kinder betrifft. Rund um das Kinderdorf ist eine große Plantage. Hier wird einfach alles selbst angebaut. Es gibt nichts, das es nicht gibt. Lychees, Drachenfrucht, Papaya, Mangos, Bananen, Äpfel, Auberginen, Bohnen, Mais, Erdnüsse und Cashews. Jede Menge toller Sachen. Alle Mahlzeiten werden drei Mal täglich frisch zubereitet und mit Reis den Kindern angeboten. Die Kinderdorfmüttter sind hier auch die Köchinnen.Es ist so, dass in jedem Haus bis zu 15 Kinder leben. Sie alle haben MOM & DAD. Also Kinderdorfmutter und Kinderdorfvater. Da die beiden Eltern immer verheiratet sind, entsteht natürlich ein sehr familiäres Gefüge in den Familien. Das ist einfach richtig toll.Zu der großen Plantage rund um das Kinderdorf hat jede Familie noch eine eigene, direkt vor dem Haus. Hier kann dann jeder anbauen, was er gerne am liebsten mag.
Unten seht ihr ein typisches Familienhaus von Hinten:

LEHRER IM KINDERDORF 

Alle Lehrer, die im Kinderdorf arbeiten, wohnen auch dort. Sie haben meist kleinere Häuser, viele von ihnen sind verheiratet und haben seit Jahren eine lange Geschichte: Sie selbst waren als Kinder in diesem Kinderdorf. 

​Am Nachmittag habe ich Saona kennen gelernt. Auch er kam im Alter von neun Jahren ins Kinderdorf – heute ist er dort Schuldirektor. Seine Geschichte ist einfach unglaublich, denn als die Mutter starb und der Vater eine neue Frau heiratete, wurden alle fünf Kinder weggegeben. Saona und sein Bruder kamen hier ins Kinderdorf. „Light of Hope“ hat ihn gerettet, ihm eine Chance auf ein gutes Leben geschenkt. Und aus diesem Grund ist er auch wieder hier – um anderen Kindern eine Perspektive und die Möglichkeit auf Leben zu geben.

IHR MÖCHTET HELFEN?

Es gibt vieles, wofür das Kinderdorf mehr finanzielle Unterstützung braucht. Kleidung und Schuhe für die Allerkleinsten, Schulmaterialien oder zum Beispiel Gelder für kleine Umbauarbeiten. Zu viele Räume haben einfach noch einen Lehmboden. Manche Klassenzimmer haben keine elektrischen Leitungen, weil sie so alt und dadurch gefährlich waren, dass man sie vom Strom nehmen musste. Es gibt keine Waschmaschinen, keine Kühlschränke.

Wenn ihr für die CFI Kinderhilfe und das Kinderdorf in Kambodscha spenden möchtet, dann könnt ihr das per Paypal machen: www.paypal.me/cfikinderhilfe

Auch möglich ist eine SMS-Spende über 3 Euro: Sendet einfach eine SMS mit dem Text „CFI“ an die Nummer 81190.
Es gibt auch die Möglichkeit einer Online-Mikrospende über 2 Euro. Hier findet ihr weitere Infos: http://www.cfi-kinderhilfe.de/mikrospende/?zwei-euro/spende

Wer lieber überweist, kann dies auf dem Spendenkonto tun:
CFI Kinderhilfe
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN DE19660205000008753503
BIC/Swift: BFSWDE33KRL

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Leonie Lutz Kambodscha
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8 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Ach Leo, es ist doch gut mal genau das zu sehen, Orte und Menschen kennenzulernen und sich ein wenig an die Demut zu erinnern die uns innewohnt und nur manchmal vergessen wird. Halte durch, du wirst sicher sehr von dieser Reise profitieren wenn du daheim bist und damit auch deine Familie. Ich denk an dich alu

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    Liebe Alu – genau so ist es gekommen. Es war die beste Entscheidung überhaupt, diese Reise anzutreten. Aber zuhause bei meinen eigenen Kindern zu sein, tut jetzt auch einfach sehr sehr gut.

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Einfach bewegend… Danke dir für diesen (wiedermal) tollen Bericht! Es ist schön zu hören, dass gespendete Gelder tatsächlich dort ankommen, wo sie gebraucht werden 💕
Und du halte durch, bald hast du deine Lieben wieder!

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    Liebe Katja, das war für mich auch toll zu sehen – es gibt halt eben auch schwarze Schafe und durch die sind manche Menschen ja auch skeptisch geworden, was Spenden angeht. Dieses Kinderdorf aber, das wäre nicht so toll in allen Belangen, wenn da die Spenden nicht ankämen. Alles Liebe, Leonie

    Antworten

Es ist so interessant, wie du schreibst! So toll, dass du das gewagt hast. Das wird dein Leben bereichern und dir einen neuen Blick ermöglichen. Alles Gute!

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    Liebe Sibylle, du hast so recht. Es ist eine Bereicherung fürs Leben. Eine Reise, die man nie vergisst. Liebe Grüße, Leonie

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Alexandra
11. Mai 2018 12:00

Liebe Leonie,
ich danke dir von Herzen, dass wir dich auf deiner Reise begleiten dürfen und du deine Erfahrungen so ehrlich und lebensnah mit uns teilst. Ich bin wirklich sehr bewegt!

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