Smartphone für Kinder?

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Smartphone für Kinder?

Heute habe ich im Supermarkt eine ehemalige Lehrerin aus der Grundschule meiner großen Tochter getroffen. Wir hatten immer einen guten Draht zueinander und schafften es tatsächlich, eine knappe Stunde zwischen den Gängen zu quatschen. Immerhin war eine Menge passiert in den letzten knapp sechs Jahren. Jedenfalls berichtete sie ein bisschen aus ihrem aktuellen Schulalltag und davon, dass teilweise schon Kinder in der ersten Klasse entweder Smart Watches haben, iPhones oder mit Mini Tablets zur Schule kommen und die anderen fotografieren. Sofern das alles im Ranzen bleibt, könne sie da wenig ausrichten. Allerdings sei es so, dass Kinder in den Pausen an den Uhren mit ihren Eltern telefonieren, Freunde fotografieren oder Videos von Lehrkräften oder Sozialpädagogen aufnehmen.

smartphone zu weihnachten

Ich war von ihren Erzählungen etwas geschockt, halte ich selbst doch Klasse 1 für viel zu früh. Auf der anderen Seite bin ich selbst es, die immer wieder predigt: Der Zeitpunkt fürs erste Smartphone ist absolut individuell und hängt von unterschiedlichen Dingen ab, die nur Eltern für ihre Kinder entscheiden können. Was ich aber unbedingt empfehlen möchte, ist: Dass sich Eltern bilden, BEVOR das eigene Kind ein eigenes Gerät hat. Ich wünsche mir, dass Eltern verstehen, was es für Kids bedeutet, ein eigenes Smartphone oder Tablet zu haben und dass sich Eltern ihrer Verantwortung bewusst sind.

Ein Smartphone ist und bleibt: Zugang zur Erwachsenenwelt

Momentan bekomme ich wahnsinnig viele Anfragen, a la “Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Smartphone?”, “Kannst du mir sagen, was ich beachten soll?” oder “Wie stelle ich das Handy meines Kindes ein?” Doch ich kann diese Fragen nicht mit einem einzigen Satz beantworten, da die Themen viel zu komplex und eben auch individuell sind. Ich habe mich deshalb entschieden, vor Weihnachten im Dezember eine “Themenwoche Smartphone” zu starten, an der ihr kostenlos teilnehmen könnt, ihr müsst euch lediglich hier mit eurer E-Mail Adresse registrieren. Selbstverständlich empfehle ich an dieser Stelle auch immer wieder meinen Online-Kurs für Eltern – weil er die wichtigsten Informationen rund um Kids, Internet, Smartphone und Sicherheit kompakt bündelt, ohne dass man stapelweise Broschüren lesen oder sich durch zig Webangebote klicken muss.

Jetzt sind die Eltern gefragt 

Kinder, die ein eigenes Smartphone haben, bekommen Zugang zur Erwachsenenwelt. Ein eigenes Smartphone für Kids bedeutet demnach: Kinder können das sehen, was Eltern sehen können. Heißt also? Kinder erhalten schneller Zugang zu Pornografie, als wir Eltern uns das für unsere Kinder wünschen. Oft geschieht das unverschuldet, weil sie vielleicht einfach nur neugierig sind und beispielsweise Themen rund um Pubertät oder den eigenen Körper googeln. Kinder können aber auch mit kritischen Inhalten in Berührung kommen, müssen sich mit WhatsApp Kettenbriefen rumschlagen oder anderen Videos, die sie entdecken oder die ihre Freunde ihnen schicken. Und wer bereitet Kinder darauf vor? Die Schulen können es nur punktuell leisten, also sind die Eltern gefragt. Insbesondere aber sollten Kinder mit eigenem Smartphone über Stolpersteine im Netz und über Cybergrooming aufgeklärt sein!

Und plötzlich bist du “raus”

Letzte Woche hat mich eine langjährige Freundin im Büro besucht. Sie erzählte mir, im Prinzip habe sie als Mutter verschiedene Phasen durchgemacht. In Phase 1 bekam der Sohn ein eigenes Smartphone, das sie mit ihm eingerichtet hat. In Phase 2 waren die beiden im Austausch, alles schien im Lot. Dann kam Phase 3, in der ihr Sohn die Gesichtserkennung am Gerät aktivierte und sie plötzlich “komplett raus” aus seiner Online-Welt war. So ist es bis heute.

Und das ist die Sorge vieler Eltern: Das Gefühl, “raus” zu sein, weil es eben damit einhergeht, dass das Kind großen Gefahren ausgesetzt sein könnte.

Muss es aber nicht. Es muss nicht sein, dass Kinder Gefahren ausgesetzt sind und schon gar nicht allen – es kann. Und je weniger wir uns kümmern, desto größer könnten die Probleme werden.

Unterschiedliche Perspektiven 

Im Grunde hat man irgendwann zwei Perspektiven, für die Eltern Kompromisse eingehen müssen:

  1. Die des Kindes, das sich einfach gerne und lange am Gerät aufhält, weil es DAS Medium im sozialen Leben, im Austausch mit Freunden und in Bezug auf Unterhaltung/Spiele ist.
  2. Die der Eltern, die sich nicht mit den Apps des Kindes auskennen, “überhaupt nicht wissen, was das Kind da stundenlang macht”, die fürchten, den Zugang zum Kind zu verlieren oder dass das Kind Opfer von Mobbing, Sexting, Cybergrooming wird. 

Und zu diesen Perspektiven kommen dann auch noch die Einflüsse von außen: Mitschüler, die schon längst ein eigenes Handy haben. Lehrer, die vor zu früher Nutzung warnen. Schlagzeilen, die uns immer wieder in Angst versetzen, wenn es um Cybermobbing geht. Freunde, deren Kinder überhaupt kein Smartphone nutzen dürfen, auch nicht mit 14. Großeltern, die Alarm schlagen oder jüngere Kinder, die schon “viel mehr dürfen”, als das eigene Kind.

Die Verunsicherung ist riesig. Und ich verstehe das. Die Sache ist: All die Ängste von Eltern sind eben auch nicht gänzlich unbegründet. Ich habe in meiner Recherche für “Kinder digital begleiten” mit meinem Rechercheprofil selbst erlebt, wie das Netz zu einem sein kann, wenn die anderen glauben, man sei ein minderjähriges Kind. Die Problemfelder sind nicht von der Hand zu weisen und ich habe teilweise massive Belästigung erlebt! Aber wir können nicht auf der einen Seite sagen: “Ohhh, das macht mir soo große Angst” und auf der anderen Seite dann die Kids komplett alleine mit den Geräten lassen. Das passt einfach nicht zusammen!

Der Angst entgegenwirken 

Man kann diesem Angstgefühl entgegenwirken. Nicht, in dem man dem Kind regelmäßig das Handy entzieht. Vielmehr, indem man sich damit auseinandersetzt, wie Kids und Teens die Geräte nutzen, welche Apps sie installiert haben, wie sie eingestellt wurden. Das ist wie in jeder Lebenssituation, die uns Sorge macht: Wenn wir nicht wissen, was uns erwartet, fühlen wir uns verängstigt. Kennen wir aber die einzelnen Bausteine einer Situation, wissen wir, was wir tun können, wenn was schiefläuft, sind wir weniger ängstlich und sicherer. Ich halte es daher für ausgesprochen wichtig, nicht nur Risiken, sondern auch Lösungen zu kennen. Bildung ist auch hier der Schlüssel, und damit meine ich, dass sich Eltern ein Bild davon machen und sich auskennen, was bei ihren Kids digital läuft. Aber bitte sinnvoll …

“Wie kann ich die Apps und Nachrichten meines Kindes kontrollieren?” schrieb mir vergangene Woche eine Mutter bei Instagram. Und da war sie wieder die Angst und gleichermaßen das Gefühl, durch Kontrolle das Schlimmste zu verhindern. In all meinen Inhalten geht es nie um Überwachung. Auch Kinder haben eine Privatsphäre. Es geht auch nie um Kontrolle, weil ich gegen Kontrolle bin. Kontrolle übt sehr viel Druck aus, was wiederum zu Konflikten führen kann. Mir näher ist der Weg, vertrauens- und respektvoll gemeinsam mit dem Kind Dinge – digitales – zu entdecken. Dazu gehört, – ich wiederhole mich 😉 – Bescheid zu wissen und sich selbst zu bilden.

Inhalte kennen, Risiken und Lösungswege, Grundmechanismen, App Einstellungen, Drittanbietersperren und Co.

Weil dann übrigens Kinder ihre Eltern auch im Digitalen als Ansprechpartner auf Augenhöhe begreifen. Das ist nämlich das Ziel: Alle wissen Bescheid, und wenn mal was sein sollte, kann man die Situation einordnen und verstehen, was zu tun ist.

Und nun habe ich viel mehr geschrieben, als ich eigentlich wollte. Deshalb mache ich es jetzt zum Schluss kurz: Nehmt gerne an meiner kostenlosen Themenwoche “Das erste Smartphone” teil, schaut, ob das was für euch ist, dann könnt ihr immer noch einen Kurs buchen – oder entscheiden, dass euch die kostenlosen Netzangebote ausreichen. Bedürfnisse und Wissensbereitschaft sind von Eltern zu Eltern unterschiedlich.

 

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Empfehlenswerte Artikel:

  1. Interview mit Thomas-Gabriel Rüdiger, Cyberkriminologe                                 
  2. Kinder digital begleiten – das Projekt

 

 

 

 

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6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Sehr gut erklärt! Ich habe mich angemeldet obwohl ich Streberin deinen Kurs schon habe. Frei nach dem Motto: doppelt hält besser. Sei lieb gegrüßt aus dem Sauerland, Marie-Luise

Antworten

Hallo Leonie, danke! Ich habe mich auch schon zu deiner Themenwoche angemeldet!

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Martin Frohwein
24. November 2019 21:49

Ich habe gespannt ihrem Vortrag in Darmstadt gelauscht und danke für die Einblicke die anfangs recht fremd waren seitdem aber sehr verständlich sind. Ich dachte bislang und da schließe ich die Gattin nicht aus das wir informiert sind und verstehen was Mediennutzung heute bedeutet. Nun habe ich neue Perspektiven dazu gewonnen und kann das an die Familie, das Kind, weitergeben. Ich bedanke mich zudem für die Handouts bei ihrem Vortrag, hätte jedoch noch ergänzende Fragen bzgl Youtube da dies für uns zur täglichen Herausforderung geworden ist. Besteht die Möglichkeit eines erneuten Kontakts hierzu?

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