TikTok App: Kinder digital begleiten

Heute habe ich in einer Studie gelesen, dass TikTok zwar unter Kids und Teens allergrößte Popularität genießt, Erwachsene und Eltern die App aber häufig nicht kennen – und schon gar nicht, was es damit auf sich hat. Ich sage immer: Das ist nicht schlimm und auch natürlich. Denken wir nur daran, wie Eltern aufgewachsen sind – damals gab es die ganzen digitalen Themen einfach noch nicht. Es gibt Dinge, die wurden Eltern nie beigebracht, wie sollen sie sie dann ihren Kindern beibringen?? Für Kids und Teens ist TikTok mittlerweile genauso “Must Have” wie Instagram, Snapchat oder WhatsApp. Und es ist nicht schlimm, wenn Eltern die App nicht kennen oder die Mechanismen dahinter nicht verstehen. Schlimm ist, wenn Kinder die App nutzen und Eltern sich nicht damit beschäftigen. Denn wie in jedem sozialen Netzwerk gibt es auch bei TikTok Problemfelder …

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Vor zwei Jahren noch hieß TikTok musical.ly. Die App machte mir Spaß! Meine Teenietochter war damals 13 Jahre alt, wir haben TikTok gemeinsam entdeckt und verschiedene Videos gedreht. Das Prinzip: Man bewegt die Lippen zu Musik, die eigene Stimme wird dabei nicht aufgenommen – es ist eine Art individuelles Playback, Libdup. Somit kommt es nicht auf die Stimme, viel mehr aber auf die Performance an, die man abliefert. Jeder Clip geht 15 Sekunden und ist damit ein super kurzes Musikvideo. Das kann man dann auch noch mit Filtern und Effekten bearbeiten und dann hochladen – oder auf dem eigenen Gerät speichern. Letzteres haben wir getan. Unsere Videos waren nie öffentlich, was sie und mich geschützt hat.

Nun ist etwas Zeit vergangen …

Heute ist es so: TikTok wird von Medienschützern kritisch beäugt. Die App kann ihre Sexting und Cybergrooming-Probleme nicht verbergen. Auch nicht, dass hier Kinder von Pädophilen angesprochen werden. Das Problem: Viele Kinder präsentieren sich hier ohne das Wissen ihrer Eltern – auch (teils unwissend) aufreizend. Wie bei allen Apps ist es auch und gerade bei TikTok besonders wichtig, mit dem Kind Nutzungsregeln zu vereinbaren UND zu verstehen, was man überhaupt einstellen kann und sollte. Die App ist mit einer Altersfreigabe von 12+ in den App Stores, was übrigens keine pädagogische Empfehlung ist. (Altersfreigaben in App Stores sind NIE pädagogische Empfehlungen). TikTok hat jüngst einen Leitfaden für Eltern herausgebracht.

Ich empfehle unbedingt:

  • Sprecht mit eurem Kind über die App und informiert euch, ob es sie bereits nutzt.
  • Falls ja, erlaubt kein öffentliches Profil und trefft die Vereinbarung, dass Videos nicht veröffentlicht werden dürfen. So kann das Kind die App zwar nutzen, die Videos dann aber nur auf dem eigenen Gerät speichern und NICHT teilen.
  • Weitere wichtige Punkte habe ich hier zusammengefasst:

TikTok nutzen – 11 Dinge, die Eltern wissen sollten

  1.  Falls ihr TikTok nicht löschen möchtet, empfehle ich euch nach Download und Anmeldung in der App, das Profil für eure Kids sofort in den privaten Modus zu stellen. Einfach in die Einstellungen gehen und den entsprechenden Button unter „Privatsphäre und Sicherheit“ aktivieren. Das ist wirklich wichtig, denn wenn Kinder TikTok öffentlich nutzen, bekommen auf der ganzen Welt Menschen diese Videos zu Gesicht. Eine seltsame Vorstellung, oder? Es ist aber ja nicht nur so, dass andere überall auf der Welt, Männer wie Frauen, Junge wie Alte, das Video eures Kindes sehen – sie können es auch Kommentieren und mit ihren Worten euer Kind eben auch kränken, bloßstellen oder verletzen.
  2. Wenn das Kind einen Namen vergeben soll: Immer einen Nutzernamen wählen, nicht den echten Namen. Und am besten einen Namen, der nicht erschließen lässt, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelt! Also niemals: Sarah13_Berlin. Sondern, zum Beispiel: BIRDgt61x.
  3. Stellt das Profil außerdem so ein, dass nur Freunde eurem Kind Privatnachrichten schicken dürfen. Das geht ganz einfach in den Einstellungen unter „Privatsphäre und Sicherheit“. In diesem Reiter könnt ihr unter SICHERHEIT auch diverse Funktionen auf “Aus” oder “Freunde” stellen. Darunter: Wer kann Kommentare veröffentlichen, wer kann mit dir ein Duett aufführen, wer darf auf Videos reagieren, wer Nachrichten senden, wer kann Videos sehen, die mir gefallen. Der Kommentarfilter ist ebenso wichtig, so dass Spam oder beleidigende Kommentare gefiltert werden. Auch kann man Schlüsselworte wie zum Beispiel “sexy” filtern.
  4. Digital Wellbeing: Hier können Eltern nach Vergabe eines geheimen Codes einstellen, ob das Zeitlimit der Bildschirmzeit aktiviert ist. Bei aktiver Funktion beträgt das Limit 60 Minuten. Im eingeschränkten Modus werden Inhalte begrenzt, die im Zweifel nicht für Kinder geeignet sind. Wie zuverlässig diese Funktion läuft, lässt sich nicht beurteilen, sie zu aktivieren kann jedoch nicht schaden.
  5. Wenn ihr diese Dinge eingerichtet habt: Entdeckt mit euren Kids gemeinsam die App. Dreht ein paar Videos, um zu verstehen, wie das Prinzip der App ist. Schaut euch Videos von anderen an, um ein Gefühl für das „Umfeld“ zu bekommen, in dem sich euer Teenie-Kind nun digital bewegt.
  6. Regeln sind wichtig: Was darf gefilmt werden, was nicht? Stichwort: Keine freizügigen Videos, oder keine Videos, die eure privaten Räume zeigen, etc. Legt die Regeln gemeinsam fest!
  7. TikTok ist natürlich eine Form der Selbstdarstellung, was aber nicht zwingend heißt, dass die Kids immer zu sehen sein müssen. Es gibt auch eine Menge Möglichkeiten, die Musikvideos mit anderen Dingen zu drehen. Kann auch echt witzig mit Haustieren sein!
  8. Fragt nach und lasst euch die Videos regelmäßig zeigen, die euer Kind dreht. Das ist ganz wichtig. Ich habe mir regelmäßig angesehen, was meine große Tochter filmt. So musste ich auch noch nie ein Video „verbieten“.
  9. Sprecht mit euren Kids regelmäßig über die App, weil ihr im Zweifel auch Nutzer blockieren könnt, in dem das Profil der betreffenden Person aufgerufen wird, dann findet ihr oben rechts drei Pünktchen und die Auswahl-Funktion. Sollte euer Kind aber nur mit Freunden befreundet sein, wovon wir jetzt mal ausgehen, werdet ihr die Blockier-Funktion bestenfalls gar nicht benötigen.
  10. Ein Sache noch, die auch dafür spricht, dass eure Kids ein privates Profil haben sollten: Es geht um die Verletzung von Urheberrechten. Viele Songs, Filmszenen oder eingespielte Zitate sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nach deutschem Recht natürlich nicht einfach so verwendet werden. Wenn die Kids Tiktok nur im Privatmodus nutzen, dürfte das keine Probleme darstellen.
  11. Kürzlich angekündigt, demnächst da: Der begleitende Modus bei TikTok gibt Eltern die Möglichkeit, stärker zu kontrollieren, was ihre Kids in der App sehen können.

    Cormac Keenan, Leiter für Sicherheit bei TikTok, hatte Ende Februar 2020 bekannt gegeben, dass es neue Features für Eltern geben wird. So sollen Eltern künftig aus der Ferne den Inhalt von Feeds einschränken und Direktnachrichten stoppen können, die Bildschirmzeit begrenzen und die Konten ihrer Kinder mit ihren eigenen Profilen verknüpfen.

    Die neuen Maßnahmen folgen den Bedenken der US-amerikanischen und britischen Regulierungsbehörden hinsichtlich der Art und Weise, wie TikTok mit den Daten von jungen Nutzern umgeht. Der sogenannte „Begleitende Modus“ wird bei TikTok in den “Digital Wellbeing”-Einstellungen unter “Privatsphäre und Einstellungen“ zu finden sein. Dort muss der QR-Code in der App des Kindes mit dem Eltern-Smartphone gescannt werden. Die beiden Accounts Eltern und Kind werden nun gekoppelt, die Kinder willigen also ein, dass die Eltern TikTok mitverfolgen. Um die Funktion nutzen zu können, müssen auch die Eltern TikTok nutzen. Am 26.2.2020 war die Funktion in Deutschland noch nicht aktiv, Update folgt.

Es ist nicht schlimm, nicht alle Apps des Kindes zu verstehen. Ich halte es aber für schwierig, wenn Eltern so gar keine Ahnung haben, was online wirklich bei Kids und Teens abgeht. Daher habe ich meine Trainings, Elternkurse, veröffentlicht. Für einen umfassenden Überblick zu allen Digital-Themen für Kinder lege ich euch meine Online-Kurse ans Herz.

HIER ERFAHRT IHR MEHR ZU ALLEN APPS, DIE KIDS HEUTE NUTZEN:

Tipp: Auch Anna von Berlinmittemom.com hat ein Teeniemädchen. Ihre Kinder haben – bis auf die Kleinste – alle schon ein Handy. Seit Jahren schon ist Medienerziehung in der Familie ein Thema, der richtige Umgang mit digitalen Medien wird diskutiert und gelebt. Am Ende geht es immer um Regeln, und die hat die Familie festgelegt – bis zu dem Tag, an dem Soziale Netzwerke für das Teenie-Mädchen relevant wurden. Und dann war schnell klar: Es braucht zusätzliche Regeln, neue, andere – abgestimmt auf die Apps, die die Kids nutzen. Anna hat sie sich zusammen mit ihrer Tochter mit den Apps beschäftigt. Herausgekommen sind wirklich sinnvolle Social Media- und Instagram-Regeln, die ihr in ihrem Artikel „über selfies, authentizität und fame – unsere instagram-regeln für teenager“ nachlesen könnt.

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